Werkstatt

In der Werkstatt geht es demnächst mit einem neuen Roman

weiter.

 

Detektei Lessing

 

Band 34

Tödliche Abrechnung

 

-1-

 

„Na, das ist ja wohl jetzt nicht dein Ernst, Leopold Lessing!“, entrüstete sich Miriam bei meinem Anblick. „Wieso? Das Ding ist wirklich spitze. Man riecht so gut wie gar nichts mehr.“ Ich nahm den Atemschutz ab und hielt ihn meiner Liebsten entgegen. „Hier, probier's doch mal aus.“ Miriam riss mir die Maske aus der Hand und warf sie wütend in die nächste Ecke. Ihre Aggression übertrug sich auf Ramona, die natürlich im gleichen Moment zu plärren begann. „Was macht der Papa mit dir, mein Schatz? Hat er dich erschreckt?“

Die Wickelkommode wechselte den Betreiber. Die vorwurfsvollen Blicke der Frau Staatsanwältin trafen mich mit der ganzen Härte des Gesetzes. „Das arme Kind bekommt ja einen Schock fürs Leben.“ „Also bis du kamst, hatten wir unseren Spaß und der Geruch der vollen Windel war erträglich. Jetzt weint Ramona und es stinkt zum Himmel.“ Damit hatte ich den Bogen überspannt. Ihr bis dato rauer Tonfall wechselte in ein unterkühltes Schweigen. Letzteres ist bei Miriam als alarmierend anzusehen.

„Ich muss dann auch los, in die Detektei“, log ich. „Ein neuer Fall.“ Wenn ich eines in der bisherigen Zeit unserer trauten Zweisamkeit gelernt hatte, dann war es rechtzeitig bei Gefahr in Verzug die Segel zu streichen. „Und nimm deine lächerliche Staubmaske mit!“ Die hatte in der Zwischenzeit bereits eine neue Interessentin gefunden. Als ich mich danach umdrehte, sah ich gerade noch, wie Bea damit aus dem Kinderzimmer verschwand. Das war es dann wohl mit meinem unerlaubten Hilfsmittel. Ob die Tauchermaske vom Tankumsee den Umzug überlebt hatte?

Ein Blick auf meine Armbanduhr verriet mir, dass mein Lieblingscafé bereits geöffnet hatte. Ich hatte zwar schon gefrühstückt, aber wenn ich zu so früher Stunde bereits in der Detektei auflief, würde Trude sicherlich eine erste Ehekriese heraufbeschwören. Abgesehen davon hatte ich Lust auf Annes leckeren Cappuccino und auf ein gutes Gespräch mit einigen Stammgästen im Café Klatsch.

Wie immer wollte ich meinen Wagen im Parkhaus am Rosenwall abstellen, doch daraus wurde nichts. Wichtige Reparaturarbeiten standen an. Ich hatte es in der Wolfenbütteler Zeitung gelesen und wieder vergessen. Wer um diese Zeit in der Innenstadt einen Parkplatz sucht, muss schon unverschämtes Glück haben, oder aber er riskiert einen Strafzettel, weil er gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt.

Nun, wie so oft war mir dieses Glück nicht vergönnt. Weit und breit gab es nur noch freie Parkplätze für Menschen mit Handicap. Also rangierte ich meinen Wagen, zugegeben etwas dicht, neben einen Altglas Container. Verschenkte Parkfläche wie ich fand. Abgesehen davon nahm ich mir vor, nach meinem Cappuccino nach einem anderen Parkplatz Ausschau zu halten. Ich löste also einen gültigen Parkausweis und machte mich auf den kurzen Weg in mein Stammcafé.

Vorbei an meiner Lieblingstelefonzelle mit den tollen Büchern zur allgemeinen Selbstausleihe und der gemütlichen Frida, wie ich die Puppe nenne, die bei schönem Wetter stets vor dem Kosmetikladen die Kundschaft begrüßt. Geradeaus verkaufte der alte Herr wieder die Obdachlosenzeitung und der Geruch von frisch zubereitetem Fisch waberte um die Ecke. Kurz, einer dieser herrlichen Morgen, wie ich sie so sehr an meiner Stadt liebe.

Vor dem Café Klatsch waren bereits die ersten Tische besetzt und einige bekannte Gesichter lächelten mir freundlich zu. Ich setzte mich an einen der noch freien Tische und bestellte den ersehnten Cappuccino. Obwohl noch relativ früh am Tage, waren bereits viele Menschen unterwegs. Ich sah ihnen nach, wie sie geschäftig die Fußgängerzone heruntereilten. Paketdienste lieferten bestellte Waren aus. Andere kehrten den Fußweg vor ihren Läden.

„Oh schön, dass du an die Zeitung gedacht hast“, bedankte ich mich bei Anne und warf einen Blick auf die neusten Nachrichten aus aller Welt, aber auch auf das regionale Tagesgeschehen. Es ist ein wesentlicher Faktor in meinem Beruf, stets auf dem Laufenden zu sein. Dazu gehören die Meldungen vom Sport, aber auch die aus dem Feuilleton. Gerade das gesellschaftliche Leben in einer Stadt wie Wolfenbüttel kann von großer Bedeutung bei der Lösung so manchen Falles sein.

„Habt ihr schon gehört, das Autohaus Kolbe soll kurz vor der Insolvenz stehen?“, hörte ich einen der Stammgäste. „Quatsch!“, widersprach ein anderer energisch. „Soviel ich gehört habe, hatte der Kolbe einen schweren Unfall und sitzt nun im Rollstuhl. Es war wohl zunächst nicht sicher, ob er den Betrieb weiterleiten kann.“ „Und kann er?“, erkundigte sich ein weiterer Gast, der am selben Tisch saß. „Wer den Kolbe kennt, käme gar nicht auf den Gedanken, etwas anderes zu vermuten.“ Kalle Mackens kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. „Offenbar kennst du den Mann.“ „Kennen ist zu viel gesagt, ich habe meinen Wagen dort gekauft und dort zufällig eine alte Schulfreundin wiedergetroffen. Sie arbeitet als Sekretärin bei Kolbe.“ „Alte Schulfreundin“, lachten die anderen im Chor. „So, so.“

Es sind Geschichten wie diese, die mir bei meiner Arbeit immer wieder zu Ohren kommen und die mir ein ums andere Mal weitergeholfen haben. „Was macht die Liebe?“, klopfte mir unvermittelt jemand auf die Schulter. Als ich mich umdrehte, erkannte ich den stellvertretenden Bürgermeister. „Hallo Heinz-Rainer“, begrüßte ich meinen Freund. „Setz dich doch zu mir, oder bist du wieder im Interesse unserer Stadt unterwegs?“ „Wieso, es liegt doch im Interesse der Stadt, wenn ich durch meine Anwesenheit dazu beitrage, dass unsere Flaniermeile belebt wird.“ „Da hast du natürlich auch wieder Recht.“

Als Anne kam, erhob sich der Kavalier alter Schule, um sie zu umarmen. „Wie geht es Miriam?“, kam er kurz darauf auf seine Frage zurück. „Ich glaube, sie würde lieber heute als morgen wieder arbeiten gehen“, entgegnete ich augenzwinkernd. „Ich kann mich gut an die ersten Jahre meiner Ehe und das Theater mit den Kindern erinnern“, sinnierte er. „Damals glaubte ich, mir würde alles über den Kopf wachsen. Im Nachhinein waren es die schönsten und erfülltesten Jahre meines Lebens.“ Ich sah meinen Freund nachdenklich an. „Vielleicht braucht man ja auch nur etwas Abstand zur Situation, um die nötige Ruhe für das Ganze zu bekommen.“

Heinz-Rainer hob seine Tasse und prostete mir zu. „Versuche einfach jeden einzelnen, verdammten Tag zu genießen. Sonst zerrinnt dir die Zeit wie Sand in den Händen und am Ende stehst du mit nichts da.“ Er hatte Recht und ich spürte wie der Druck entwich, der sich während der vergangenen Wochen in mir aufgebaut hatte. Auch wenn sich der Prozess unserer Eheschließung über Monate hingezogen hatte, so war ich doch, quasi über Nacht, kein Junggeselle mehr, der letztendlich nie für jemand anderen als für sich selbst Verantwortung getragen hatte. Die eigentliche Erkenntnis daraus stellt sich erst ein, wenn der vollzogene Schritt unumkehrbar erscheint.

Du wirst ein guter Vater und Ehemann sein, davon bin ich überzeugt“, machte mir Heinz-Rainer Mut. „Gib dir einfach etwas Zeit. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Während er zu mir sprach, dachte ich an meine ehemalige Freundin, Elisabeth Stahl, die inzwischen leider verstorben war. Sie half immer dann, wenn ich nicht weiterwusste, indem sie stets einen guten Rat parat hatte. „Leo!“, riss mich mein Freund aus den Gedanken. „Äh, wie?“ „Ob du auch noch einen Cappuccino trinken möchtest?“ Ich sah zur Uhr. „Sei mir nicht böse, aber ich muss los.“ Ich zückte mein Portemonnaie. „Du warst eingeladen“, winkte Heinz-Rainer ab. „Und grüß Miriam von mir.“ Ich griff nach meinem Stetson. „Danke, ich werde es ausrichten.“

Auf meinem Weg die ‘Lange' hinunter zur Detektei musste ich an die Worte des sonoren Herren denken und an das Gefühl, welches er mit ihnen in mir ausgelöst hatte. Meine Ehe mit Miriam war toll und ich mochte nicht einen Tag mit unserer Tochter missen, aber trotzdem war da die ganze Zeit über dieses Gefühl, von dem ich nicht wusste, woher es kam und was es mit mir machte. Nun wusste ich, dass ich bei aller Trausamkeit meine eigene Identität nicht verlieren und mir einen Teil meiner Freiheit bewahren musste.

Ich war immer noch ganz in meinen Gedanken, als ich die Tür zu meiner Detektei öffnete. „Oh Chef, schon da?“, erschrak Trude, die sofort auf die Notfalltaste ihrer Computertastatur hämmerte. Als wenn ich nicht längst wüsste, dass sie sich nur zu gern mit irgendwelchen Kartenspielen die Zeit vertrieb. „es wird höchste Zeit, dass wir mal wieder etwas Geld in die Kasse bringen. Sie wollen doch pünktlich Ihren Lohn erhalten, oder?“

Meine Putzsekretärin sah mich aus großen Augen fragend an. „Steht es so schlecht?“ „Schlechter, Trude, viel schlechter“, erklärte ich mit ernster Miene, während ich an ihrem Schreibtisch vorbei in mein Büro eilte. Ich hatte den Stetson gerade über den Garderobenhacken geworfen und meine Beine über die Ecke meines Schreibtisches gelegt, als mir Trude auch schon einen Kaffee brachte.

„Leider sind alle Fälle abgearbeitet, neue gibt es nicht und einen Anruf aus der Kanzlei Börner gab es auch nicht“, jammerte sie mit belegter Stimme. „Tja, dann müssen wir wohl Axel als laufende Werbesäule aktivieren.“ Trude schluckte trocken. „Ob er das noch mal machen würde, weiß ich nicht.“ „Na dann müssen Sie eben ran!“, feixte ich. „Ich? Nee Chef, das können Sie nicht von mir verlangen. Mich kennt doch hier jeder.“ „Na, umso besser“, trieb ich es auf die Spitze. „Das steigert den Werbeeffekt.“

Als sich daraufhin ihre Haare krausten und selbst Trude keine Worte mehr fand, hatte ich Mitleid und erlöste sie. „Alles gut, Trudchen, machen Sie sich keine Sorgen. Für solche Flauten habe ich gottlob vorgesorgt.“ Ich konnte den Stein direkt hören, der ihr vom Herzen fiel. „Das dürfen Sie nicht so oft mit mir machen, Chef“, japste sie. „So etwas verträgt mein altes Herz nicht mehr.“ „Ihre Pumpe überlebt uns alle“, lachte ich. „Aber jetzt mal Spaß beiseite. Wir sollten schon in naher Zukunft einen lukrativen Fall an Land ziehen. Ewig reichen meine Rücklagen auch nicht.“

„Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“, erinnerte ich mich an Elisabeths Worte, als die Tür aufging und eine Frau die Detektei betrat. Trude schloss hinter sich die Tür zu meinem Büro und widmete sich der Besucherin. Ich saß derweil auf heißen Kohlen, bis endlich die quäkige Stimme meiner Putzsekretärin über die Sprechanlage ertönte und sie in der abgesprochenen Weise mit mir sprach.

„Haben Sie einen Augenblick Zeit, Chef?“ „Sie wissen doch, dass ich in Kürze einen Termin am Gericht habe“, log ich das Blaue vom Himmel. „Es scheint dringend zu sein“, spielte Trude mit. „Also gut“, seufzte ich in die Sprechanlage, “...schicken Sie die Dame herein.“

Im nächsten Moment saß eine dunkelhäutige Schönheit aus Marokko auf dem Besucherstuhl vor meinem Schreibtisch. Mein Blick hing an der Sporttasche, die sie zu ihren Füßen absetzte. „Ich habe leider nicht viel Zeit“, machte ich mich rar, weil ich auf Grund ihrer einfachen Kleidung keine Reichtümer vermutete. Womit sollte sie mich also bezahlen? Die Afrikanerin begann zu weinen. „Na, nun erzählen Sie erst einmal.“ Ich reichte ihr ein Papiertaschentuch. „Was führt Sie denn zu mir?“ „Es geht um meinen Freund“, begann sie zögerlich. „Ralf ist vor etwa drei Monaten verschwunden.“ „Er hat Sie also verlassen?“, hakte ich nach. „Ich weiß es nicht“, entgegnete sie und brach erneut in Tränen aus.

„Möchten Sie vielleicht ein Glas Wasser?“ Sie schniefte. „Haben Sie auch einen Schnaps?“ Ich sah sie ungläubig an. „Ja natürlich, einen Schnaps.“ Der Klare wirkte sofort. Die Schönheit wurde merklich ruhiger. „Ralf hat mich nicht einfach so verlassen. Es muss etwas Schreckliches passiert sein.“ „Wie kommen Sie darauf?“, krauste sich meine Stirn. Sie hob die mitgebrachte Sporttasche vom Boden, zog den Reißverschluss auf und kippte den Inhalt auf meinen Schreibtisch. Mir blieb buchstäblich die Spucke weg. Vor mir lag ein Berg von Geldbündeln. Alles Fünfzig Euro Scheine. „Deswegen“, behauptete sie. „Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht ganz folgen.“

-2-

Dieser Fall gehörte rückblickend zu den skurrilsten Aufträgen, für die ich in all den Jahren als Detektiv ermittelte. Nachdem mir Jasmina El Basisii erklärt hatte, wie ihr Freund quasi über Nacht aus ihrem Leben gerissen wurde, stand für mich fest, dass er nicht freiwillig verschwunden war. Selbst wenn der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker kurz zuvor seine Anstellung verloren hätte, erschien mir dies bei dem derzeitigen Fachkräftemangel kein Grund, um bei Nacht und Nebel zu verschwinden und schon gar nicht, um freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Abgesehen davon war da ja auch noch die Summe von einer viertel Million Euro, die er bei seinem Verschwinden in der gemeinsamen Wohnung des Paares zurückgelassen hatte.

Natürlich hatte ich meine Auftraggeberin nach dem Grund gefragt, weshalb sie nicht längst zur Polizei gegangen war und ihren Freund vermisst gemeldet hatte. Ihre Antwort leuchtete mir als Erklärung ein, machte mich allerdings in Bezug auf mein Honorar auch nachdenklich. Jasmina El Basisii hielt sich illegal in Deutschland auf. Um am Ende nicht auf meinen Unkosten sitzen zu bleiben, verlangte ich daher Vorkasse. Solange ich nicht wusste, woher das Geld stammte, machte ich mich nicht strafbar. Ein schlechtes Gefühl blieb trotzdem, zumal sie mir das Geld in Obhut gab.

„Ach du dicker Vater!“, entfuhr es Trude, als sie den Geldhaufen auf meinem Schreibtisch erblickte. „Das ist doch wohl nicht Ihr Notgroschen?“ „Schön wäre es. Das Geld hat Frau El Basisii mitgebracht. Wir sollen es solange für sie in Verwahrung nehmen, bis wir wissen, woher es stammt.“ Im Gesicht meiner Putzsekretärin zeichnete sich ein Fragezeichen ab. „Sie hat es nach ihrer eigenen Aussage in ihrer Badewanne gefunden“, erklärte ich. „Da bekommt das Wort Geldwäsche endlich eine praktikable Bedeutung.“ „Sie meinte natürlich ein Versteck hinter der Revisionsklappe unter der Wanne“, präzisierte ich. „Ich bin ja nicht blöd“, entgegnete Trude beflissentlich.

„Da ich das weiß, habe ich auch gleich eine Aufgabe für Sie.“ Die gute Seele spitzte die Ohren. „Suchen Sie mir bitte alle Einbrüche und Überfälle heraus, die in einem Zeitraum von drei Monaten vor dem Verschwinden von Ralf Rosskopf stattfanden und die eine Beute von etwa einer viertel Million Euro erbrachten.“ „Bundesweit?“ „Beschränken Sie sich zunächst auf Niedersachsen und Sachsen-Anhalt“, zerstreute ich Trudes schlimmste Befürchtungen. „Was ist mit einer möglichen Erpressung und Entführung?“ Ich verzog das Gesicht. „Sie haben Recht, bei einer solchen Summe können wir auch diese Delikte nicht ausschließen.“

Während Trude für die nächsten Stunden beschäftigt war, wollte ich meine Auftraggeberin in ihrer Wohnung aufsuchen, um mir ein Bild von den persönlichen Dingen zu machen, die der Vermisste dort zurückgelassen hatte. Leider ging es mir wie Jasmina El Basisii, nur dass ich mein Auto vermisste. Die Idee, meinen Wagen neben den Altglas Container abzustellen, war offenbar nicht so gut, wie ich angenommen hatte. Mein besorgter Anruf bei der Dienststelle der Polizei auf der ‘Lindener Straße' ergab die ernüchternde Gewissheit, dass sich mein Skoda in der Verwahrstelle des vom Ordnungsamt beauftragten Abschleppunternehmens befand. Da ich nicht wollte, dass Miriam Wind davon bekam, ließ ich mich von einem Taxi zur ‘Ahlumer Straße' fahren.

Meine Fehleinschätzung, ich hätte meinen Wagen auf einem adäquaten Parkplatz abgestellt, kostete mich über zweihundert Euro zuzüglich Bußgeld und Depotkosten. Der Tag war so gut wie gelaufen. Als ich endlich zur Adresse von Jasmina El Basisii kam, war es beinahe Mittag. Die Marokkanerin stand in der Küche und bereitete Lammhackbällchen. Der Duft ließ mir bereits im Hausflur das Wasser im Mund zusammenlaufen.

„Sie kommen gerade rechtzeitig zum Essen, Herr Lessing“, empfing sie mich mit demselben Akzent, der mir bereits in der Detektei aufgefallen war. „Es wäre sehr nett, wenn Sie die Pantoffeln anziehen würden“, deutete sie auf meine Schuhe. „Natürlich, kein Problem.“ „Das Bad ist geradeaus“, forderte sie mich dezent zu der von ihrer gewohnten Reinlichkeit auf. Ein Verhalten, wie ich es bereits von meinen arabischen Bekannten in Salzgitter kannte.

„Bitte erzählen Sie mir von Ihrem Lebensgefährten“, bat ich meine Auftraggeberin. Sie brauchte einige Momente, ehe sie die passenden Worte fand. „Ralf und ich sind seit über einem Jahr zusammen“, erzählte sie. „Was ist mit der Familie Ihres Lebensgefährten? Eltern, Großeltern, Geschwister. Vermisst ihn von denen niemand?“ „Ralf ist allein. Außer mir hat er niemanden mehr“, erklärte sie. „Das ist ungewöhnlich, aber es erklärt natürlich, dass er nicht als vermisst gemeldet wurde“, überlegte ich.

„Können Sie sich an irgendetwas erinnern, was am Tag seines Verschwindens ungewöhnlich war? Ist Ihnen irgendetwas aufgefallen, was vielleicht anders als sonst verlief? Hat er sich anders verhalten? Sagte er etwas zu ihnen, was Sie möglicherweise erst später mit seinem Verschwinden in Zusammenhang brachten?“ „Glauben Sie mir, Herr Lessing, all diese Fragen habe ich mir selbst bereits hundertfach gestellt, ohne dass ich auch nur eine einzige Antwort darauf gewusst hätte“, seufzte sie. „Es war ein Tag wie jeder andere. Ralf wollte mich von der Arbeit abholen, doch er kam nicht. Zunächst nahm ich an, er müsste länger arbeiten, aber als er auch über Nacht nicht nach Hause kam, wusste ich, dass etwas passiert Schlimmes sein musste.“

„Weshalb nahmen Sie an, es sei etwas Schlimmes geschehen?“, hakte ich nach. „Ralf kam immer nach Hause, auch wenn es in der Kneipe mit seinen Freunden oder den Kollegen mal spät wurde und er einen über den Durst getrunken hatte“, erklärte sie überzeugend. „Hatte Ihr Freund eine Stammkneipe?“ „Er traf sich meistens in der Schlossschänke mit seinen Kumpels“, entgegnete sie. „Kennen Sie seine Freunde?“, hakte ich nach. „Meistens traf er sich mit seinen Arbeitskollegen. Ich kenne nur den Peter mit Namen. Mit dem war er aber auch schon seit einigen Jahren befreundet.“ „Peter“, notierte ich mir. „Kennen Sie auch den Nachnamen?“ Die Marokkanerin verschwand in ihrem Wohnzimmer.

„Hier ist seine Telefonnummer und der Nachname. Ralf hat sie im Telefonverzeichnis eingetragen.“ „Kann es sein, dass er sich am Tag seines Verschwindens ebenfalls in der Schlossschänke treffen wollte?“ „Wie gesagt, Ralf wollte mich am Nachmittag von der Arbeit abholen und anschließend mit mir Bummeln gehen.“ Ich legte das Besteck zur Seite und steckte den Zettel mit der Telefonnummer ein. „Das Essen war ausgezeichnet“, lobte ich. „Ein Rezept aus Ihrer Heimat?“ Jasmina El Basisii nickte.

„Ich würde jetzt gern die Gegenstände sehen, die Ihr Freund bei Ihnen zurückgelassen hat.“ „Moment, ich hole sie.“ Während sie im Schlafzimmer herumkramte, verließ ich die Küche und sah mich im Wohnzimmer um. „Wo arbeiten Sie eigentlich?“, erinnerte ich mich an ihren illegalen Aufenthaltsstatus. „Ich putze privat in einem Haushalt“, erklärte sie mit einem Aktenordner und einer kleinen Schachtel unter dem Arm. „Wann wurden die Fotos aufgenommen?“, deutete ich auf die Bilderrahmen an der Wand über der Sitzecke. Sie nahm eines der Bilder ab und strich sanft mit dem Zeigerfinger darüber.

„Letztes Jahr im Herbst. Es entstand bei einem Ausflug auf der Oker.“ „Ist das ein Floß von den Okerpiraten?“, erinnerte ich mich an meine Schulzeit und damit an den Besitzer. „Ja, Ralf kennt einen der Männer, die dort arbeiten.“ Jasmina tat einen tiefen Seufzer. „Da war noch alles okay. Ich verstehe das alles nicht.“ Ich schlug den Aktenordner auf und stieß auf Gehaltsabrechnungen, die ihrem Datum entsprechend abgeheftet waren. Zwei Monate vor seinem Verschwinden waren keine weiteren Abrechnungen mehr hinzugefügt worden.

„Wo sagten Sie, war Ihr Freund beschäftigt?“ Jasmina deutete auf die Lohnzettel. „Im Autohaus Kolbe als KFZ Mechaniker.“ „Die müssen sich doch bei Ihnen gemeldet haben, als ihr Mitarbeiter nicht mehr zur Arbeit kam.“ Die Marokkanerin zuckte mit den Achseln. „Hier hat sich niemand gemeldet.“ Ich schüttelte ungläubig den Kopf. „Was ist mit der Miete für Ihre Wohnung? Wenn Sie illegal in Deutschland leben, verfügen Sie sicherlich über kein eigenes Konto, von dem die laufenden Kosten für die Wohnung, wie Strom, Telefon oder Versicherungen abgebucht werden.“

Jasmina El Basisii sah mich erschrocken an. „Ich weiß und vielleicht habe ich auch etwas Falsches getan, aber ich wusste mir keinen anderen Rat. Ralf hat mir am Computer alles erklärt.“ „Sie machen Online Banking“, schlussfolgerte ich. „Ohne seine Karte kann ich nichts überweisen und kein Geld abheben, aber es geht alles automatisch.“ „Ihr Freund hatte alle regelmäßigen Zahlungen über Lastschriftaufträge abgewickelt“, kombinierte ich. „Aber war denn so viel Geld auf dem Konto, dass es bis heute reichte?“ „Seit letztem Monat ist kein Geld mehr drauf“, begann meine Auftraggeberin zu weinen. Ich nahm sie in den Arm und tröstete sie. „Am besten loggen Sie sich gleich mal auf dem Konto ein, damit ich mir ein Bild von dem Geldfluss machen kann.“

Kurz darauf war klar, dass der Dispo von Ralf Rosskopf bereits bis zum Anschlag ausgereizt war. Gehalt war seit dem Datum der letzten Abrechnung nicht überwiesen worden. Somit war für mich klar, dass der Vermisste seine Arbeit bereits vor seinem Verschwinden verloren hatte. Aber war dies ein hinreichender Grund, um auszusteigen oder, sogar freiwillig aus dem Leben zu scheiden? Auf jeden Fall wollte ich der Sache auf den Grund gehen und deshalb mit seinem Arbeitgeber sprechen. In wie weit der tragische Unfall von Michael Kolbe etwas mit der Kündigung zu tun hatte, musste sich zeigen.

„Darf ich mir das Foto mitnehmen? Ich bräuchte es für meine Recherchen“, fragte ich. „Wenn Sie es mir zurückgeben“, trennte sich die Marokkanerin nur ungern von dem Andenken. „Es gibt nicht so viele Fotos von Ralf und mir.“ „Ich werde es einscannen lassen und für meine Zwecke ausdrucken. Dann bekommen Sie es schon morgen zurück“, versprach ich. „Das ist lieb von Ihnen“, bedankte sie sich. „Aber was wird denn nun aus mir? Mit dem wenigen Geld, was ich bei den Talers im Haushalt verdiene, komme ich gerade über die Runden. Wovon soll ich nur die Miete und den Strom bezahlen?“

Die Situation der Marokkanerin war verzwickt. Einerseits hatte sie eine Tasche voller Geld, von dem sie locker einige Jahre hätte leben können. Andererseits wusste sie nicht, ob es sich bei dem Geld um die Beute aus einer Straftat handelte. „Wir nehmen jetzt einfach an, dass Ihr Freund im Lotto gewonnen hat, aber nicht mehr dazu kam, Ihnen von seinem Gewinn zu erzählen. Wenn es Ihnen recht ist, nehme ich davon fünftausend Euro und zahle das Geld auf dem Konto Ihres Freundes ein. Wenn es sich tatsächlich um sauberes Geld handelt, haben Sie es nicht mal veruntreut, weil es ja auf Ralf Rosskopfs Konto eingezahlt wird.“ Jasmina El Basisii war von meinem Vorschlag begeistert. „Das ist eine gute Idee, so machen Sie es bitte.“

 

-3-

Bevor ich mit dem Geld auf die Bank ging, sah ich mir die Scheine genauer an. Schließlich wollte ich nicht mit Falschgeld erwischt werden. Man weiß ja nie. An der Echtheit des Geldes bestand jedoch kein Zweifel. Ich fragte mich, ob es der Geldautomat mitbekommen würde, wenn die Seriennummern registriert waren. Da meine Einzahlung nicht auffallen sollte, teilte ich die Summe in drei Raten auf. Nachdem die Einzahlung von eintausend Euro problemlos verlief, ließ ich zwei weitere mit je zweitausend Euro folgen.

Nachdem das erledigt war und meine Auftraggeberin nun keine Angst mehr vor einer Räumungsklage haben musste, machte ich mich auf den Weg zum Autohaus Kolbe auf der ‘Goslarsche Straße'. Ich war gespannt, ob sich der Tratsch, den ich am Morgen von einigen Gästen in meinem Stammcafé mitbekommen hatte, der Tatsache entsprach.

„Guten Tag, Frau Paulus“, las ich auf dem Schildchen auf dem Schreibtisch ihren Namen. „Lessing, Leopold Lessing“, reichte ich ihr meine Visitenkarte. „Ich hätte gern Herrn Kolbe gesprochen.“ „Haben Sie einen Termin mit meinem Chef?“, erkundigte sie sich lauernd. „Leider nicht, aber es handelt sich wirklich um eine sehr wichtige Angelegenheit.“ „Sie glauben gar nicht, wie oft ich das zu hören bekomme.“ „Warum nicht?“, entgegnete ich augenzwinkernd. „Also schön, ich werde sehen, ob der Chef für Sie Zeit hat. Warten Sie bitte einen Moment.“

Während Frau Paulus telefonierte, sah ich mir die Bildergalerie der Firmengeschichte an. Der Betrieb war über drei Generationen in der Familie jeweils vom Vater auf den Sohn weitergegeben worden. Im Vergleich zu den eher bescheidenen Anfängen, hatte sich der Betrieb unter der Führung von Michael Kolbe von einer KFZ Werkstatt zu einem stattlichen Autohaus entwickelt. Die angeschlossene Vertragswerkstatt hatte auch über die Stadtgrenze einen ausgezeichneten Ruf.

„Sie haben Glück, Herr Kolbe ist für Sie zu sprechen“, verkündete die Sekretärin, offenbar selbst überrascht. „Prima, haben Sie vielen Dank, Frau Paulus.“ Die recht zierlich wirkende, attraktive Frau in den Dreißigern begleitete mich zum Büro ihres Chefs, klopfte an und öffnete mir die Tür.

„Was führt Sie zu mir, Herr Lessing?“, begrüßte mich der robust erscheinende Mann hinter dem Schreibtisch. Ich schätzte ihn auf Mitte vierzig. Die fliehende Stirn ließ ihn älter erscheinen. „Meine Sekretärin erwähnte, dass Sie ihren Lebensunterhalt als Detektiv bestreiten.“ „Das ist korrekt“, bestätigte ich. „Mal ehrlich, Herr Lessing, nur interessehalber, kann man von Ihrem Beruf eigentlich leben?“ „Wenn man in seinem Job gut ist“, lächelte ich vielsagend. „Und, sind Sie gut?“ „Gut genug, um gut davon leben zu können“, schmunzelte ich.

„Lassen Sie mir bitte Ihre Karte hier“, meinte er es ernst. „Man weiß ja nie, vielleicht brauche ich irgendwann mal einen Privatdetektiv.“ Während ich mein Portemonnaie nach einer Visitenkarte durchsuchte, kam er mit seinem Rollstuhl hinter dem Schreibtisch vorgerollt. Die Männer im Café hatten also die Wahrheit gesagt. Er bemerkte das Erstaunen in meinen Augen, obwohl ich meine Reaktion auf seinen Anblick zu verbergen versuchte.

„Ein Unfall“, erklärte er ohne Umschweife. „Wie Sie sehen, geht es auch ohne Beine. Denken spielt sich im Kopf ab. Aber weshalb wollten Sie mich denn nun sprechen?“ Ich reichte ihm die letzte, etwas zerknickte Visitenkarte. Im Gegenzug bot er mir einen der Stühle vor seinem Schreibtisch an. „Es geht um einen Ihrer ehemaligen Mitarbeiter. Einen gewissen Ralf Rosskopf. Er hat bis zum Herbst des vergangenen Jahres als KFZ Mechaniker bei Ihnen gearbeitet.“ „Stimmt, ich kann mich erinnern. Herr Rosskopf war einige Jahre für uns tätig.“ „Es würde mich interessieren, weshalb Sie ihn entließen.“ Kolbe räusperte sich. „Sie wissen schon, dass ich Ihnen schon aus Datenschutzgründen keine Auskunft über den Herrn erteilen kann?“

Mein zerknirschter Gesichtsausdruck hinterließ Wirkung. „Herr Rosskopf wird seit einigen Monaten vermisst. Seine Lebensgefährtin macht sich große Sorgen über seinen Verbleib. „Also schön, von mir haben Sie das allerdings nicht.“ Ich versprach die Auskunft für mich zu behalten, indem ich ihm mit dem Kopf zunickte. „Mein Werkstattmeister überführte Rosskopf des Diebstahls. Er hatte, wahrscheinlich bereits über einen längeren Zeitraum, Ersatzteile mitgehen lassen und im Internet verkauft. Es blieb mir nichts anderes übrig, als dem Mann fristlos zu kündigen.“ Ich verzog das Gesicht wie jemand, der gerade in eine besonders saure Zitrone gebissen hatte. „Haben Sie ihn wegen der Diebstähle angezeigt?“ „Nein, ich wollte alles vermeiden, was dem Ruf unseres Unternehmens schadet.“ „Da konnte Herr Rosskopf aber froh sein, dass Sie es lediglich bei der Kündigung beließen“, tat ich meine Meinung kund. „Das war er auch“, beschrieb Kolbe die Situation als entspannt und seinen ehemaligen Mitarbeiter als einsichtig.

„Können Sie sich vorstellen, dass Herr Rosskopf seine Lebensgefährtin einfach so sitzen lässt und sich bei Nacht und Nebel verdrückt?“ „Es tut mir leid, Herr Lessing, aber ich kannte Herrn Rosskopf nicht näher. Er gehörte eher zu den Mitarbeitern, die nicht an unseren kleinen Betriebsfeiern teilnahmen.“ „Dann können Sie mir sicherlich ebenso wenig sagen, ob er irgendwo anders Arbeit fand“, suggerierte ich eine mögliche Antwort. „So ist es, aber möglicherweise kann Ihnen Herr Stock mehr dazu sagen“, verwies mich Kolbe. „Herr Stock ist unser Betriebsratsvorsitzender. Er war sehr bemüht, um eine sozialverträgliche Kündigung zu erwirken.“ „Die es jedoch nicht gab“, stellte ich fest. „Würden wir uns kennen, wüssten Sie, dass ich der Letzte wäre, der nicht mit sich reden ließ, aber wenn es um eine ganze Serie von Diebstählen geht, kann ich kein Verständnis dafür aufbringen.“

Die Haltung des Unternehmers war gerechtfertigt. Manch anderer war schon für weitaus weniger entlassen worden. „Wo finde ich diesen Herrn Stock?“ „Sein Büro befindet sich zwei Türen weiter, wenn Sie rauskommen, gleich links.“ Ich bedankte mich bei Herrn Kolbe und erhob mich. Dabei fiel mein Blick auf einen Bilderahmen auf seinem Schreibtisch, auf dem Kolbe mit einem kleinen Mädchen zu sehen war. „Ihre Tochter?“, fragte ich den Mann im Rollstuhl lächelnd. „Ja“, entgegnete er knapp. „Niedlich.“ Ich weiß nicht, ob ich damit gerechnet hatte, dass er mir nun etwas zu seiner Tochter erzählen würde, er tat es nicht und somit bedankte ich mich für seine Zeit und verabschiedete mich.

Anders als erwartet stand ich am Büro des Betriebsrats vor verschlossener Tür. Da sich auf mein Klopfen nichts rührte, wollte ich schon wieder gehen, als ich plötzlich undefinierbare Laute aus dem Büro vernahm. Ich hatte eine spezielle Vermutung, die meine Neugier weckte. Am Ende des Flurs befand sich ein Wartebereich. Ich setzte mich hinter einen großen Gummibaum, um nicht gesehen zu werden und wartete gespannt darauf, wer das Büro verlassen würde.

Ich staunte nicht schlecht, als sich einige Minuten später die Tür öffnete und der Kopf von Frau Paulus zögerlich zum Vorschein kam. Sie sah zu beiden Seiten den Gang hinunter und verließ das Büro erst, als sie niemanden sah. So verbrachte die Sekretärin also ihre Mittagspause. „Ach, gut dass ich Sie gerade sehe“, stellte ich sie bloß, “...Sie haben wohl nicht zufällig den Herrn Stock gesehen?“ „Ich, äh nein, wie kommen Sie denn darauf?“ „Ich sah Sie gerade zufällig aus seinem Büro kommen“, stellte ich mich naiv.

Frau Paulus bekam einen hochroten Kopf und wurde zum Saulus. „Da müssen Sie sich irren und außerdem geht es Sie nichts an.“ Ich sah ihr amüsiert nach, wie sie über die Treppe nach unten stakste. So viel zum Thema, Pflege eines guten Betriebsklimas. Als sich der Rauch verzogen hatte, startete ich einen zweiten Versuch und klopfte erneut an die Tür. Diesmal bat mich jemand herein.

„Guten Tag, mein Name ist Lessing. Ich komme gerade von Herrn Kolbe. Er meint, Sie könnten mir mehr über Herrn Rosskopf erzählen.“ Mein Gegenüber sah mich verwundert an. „Wieso sollte ich? Wer sind Sie denn eigentlich?“ „Ich bin privater Ermittler und der Mann, der bereits vor fünf Minuten an Ihre Bürotür klopfte.“ Stock sah mich an und hatte verstanden. „Als Vorsitzender des Betriebsrats habe ich das eine oder andere vertrauliche Gespräch zu führen.“ „Natürlich“, grinste ich.

„Wieso interessieren Sie sich für Herrn Rosskopf?“, stellte Stock die Frage, die ich bereits erwartet hatte. „Er wird vermisst“, entgegnete ich vage. „Vermisst? Von wem?“ „Eigentlich wollte ich die Fragen stellen“, blockte ich ab. „Vielleicht hat er sein Gequatsche ja endlich wahr gemacht“, überlegte Stock. „Wovon sprechen Sie?“ „Ralf wollte schon immer nach Australien auswandern, bekam aber nie genügend Geld zusammen.“ „Was demzufolge bedeuten würde, dass er jetzt das Geld zusammen hätte“, schlussfolgerte ich. „Hat er eine Abfindung bekommen?“ Stock brach in schallendes Gelächter aus. „Das ist nicht Ihr Ernst. Offenbar ist Ihnen nicht bekannt, dass Ralf wegen Diebstahls fristlos gekündigt wurde. Der kann froh sein, dass ihn der Alte..., ich meine Herr Kolbe, nicht angezeigt hat. Wenn es nach mir gegangen wäre...“

Ich horchte auf. Hier gab es eine erste Diskrepanz. „Nach meiner Information sollen Sie sich sehr für Herrn Rosskopf eingesetzt haben.“ „Wer sagt das?“ „Ihr Boss.“ Hinter der Stirn des Betriebsratsvorsitzenden rumorte es. „Na ja“, ruderte er zurück, “...Herr Rosskopf war krank, spielsüchtig, wenn Sie verstehen. Jedenfalls klaute er deswegen Ersatzteile im Lager und machte sie zu Geld. Vor dem Arbeitsgericht wäre er damit vielleicht sogar durchgekommen.“ Jetzt wusste ich, woher der Wind wehte. „Als Vertreter von Arbeitnehmerinteressen hätten Sie ihn darüber eigentlich informieren müssen.“ „Genau deshalb habe ich mich mit dem Alten in die Flicken bekommen.“ „Da ist einem das Hemd natürlich näher als die Hose, nicht wahr?“

Stock schwieg. Ich wusste auch so, dass es mit dem Betriebsklima bei weitem nicht so gut bestellt war, wie es mir Kolbe weismachen wollte. Mit dem Verschwinden von Ralf Rosskopf war es nach meinem Kenntnisstand irrelevant. „Zumindest hat Ralf ein tadelloses Zeugnis ohne versteckte Haken und Ösen bekommen“, erklärte Stock. „Ich habe mich persönlich dafür eingesetzt.“ Hoppala, das widersprach sich aber gewaltig. „Ist Ihnen bekannt, ob er mit diesem Zeugnis eine andere Anstellung fand?“ Mein Gegenüber zuckte mit den Achseln. „Da bin ich überfragt. Herr Rosskopf und ich hatten nach seiner Entlassung keinen Kontakt.“

„Welcher Art war eigentlich der Unfall Ihres Chefs?“ Stock rieb sich die Nase, sah mich nachdenklich an und warf schließlich seine Bedenken, mit mir darüber zu sprechen, über Bord. „Der Chef hatte mal wieder Zoff mit seiner Frau, als es passierte. Er war sicherlich dadurch abgelenkt. Der Unfall geschah auf dem Weg zu seinem Auto. Der Chef missachtete die Vorfahrt eines Lastwagens. Offenbar hatte er ihn nicht kommen sehen. Jedenfalls konnte der Fahrer nicht mehr rechtzeitig bremsen und überrollte ihn schließlich.“ „Das klingt nicht gut“, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter.

Ich dachte an diverse Auseinandersetzungen, die ich in der Vergangenheit mit Miriam hatte und an meine Reaktionen darauf. Nicht selten hatte ich meinen Kummer in Alkohol ertränkt. Ein, zwei Schnäpse, um den Frust hinunterzuspülen waren für mich verständlich. Im Hinblick auf Kolbes schrecklichen Unfall waren sie natürlich fatal.

„Zu allem Überfluss verlor seine Tochter daraufhin ihre Stimme und weil das alles noch nicht reichte, verließ ihn auch noch seine Ehefrau“, beschrieb Stock ein wahres Horrorszenario. „Ich wunderte mich schon, weil ich auf dem Schreibtisch Ihres Chefs nur ein Bild mit seiner Tochter sah“, merkte ich an. „Soviel ich weiß, soll die Nochehefrau des Chefs mit ihrem Lover auf Teneriffa leben und dort eine Tauchschule betreiben“, verriet mir Stock. Ich war geschockt. „Was ist das für eine Mutter, die ihr eigenes Kind für ihren Geliebten zurücklässt?“ „Was ist das für eine Ehefrau, die ihren Mann in der Not im Stich lässt?“, fügte Stock an.

„Es ist ein Wunder, wie der Alte alles unter den Hut bekommt“, seufzte der Mann mit dem Lippenstift am Hals. „Wer kümmert sich denn um die Kleine, wenn Kolbe hier in der Firma ist?“, erkundigte ich mich. „Das war zunächst wohl gar nicht so einfach. Das Mädchen ist ja erst neun Jahre. Inzwischen gibt es eine Psychologin, die sich um das Kind bemüht.“ Ich hatte schon öfter von Behinderungen gehört, die sich durch ein traumatisches Erlebnis einstellten, aber in diesem Fall hatte sich das Kind nicht im Unfallwagen befunden. Ich fragte mich, ob der bloße Anblick ihres verletzten Vaters schon ausgereicht hatte, um ein solches Trauma hervorzurufen.

„Ich kann Ihnen wirklich nichts mehr dazu sagen“, riss mich Stock aus meinen Gedanken. „Leider habe ich keine Visitenkarte mehr, aber Frau Paulus kann Ihnen ja die geben, die ich gerade bei ihr gelassen habe.“ Stock sah mich verdutzt an. „Falls Ihnen noch etwas einfällt, wäre es nett, wenn Sie mich anrufen.“ „Geht klar.“

Viel hatte mir der Besuch des Autohauses nicht gebracht. Ein Ansatzpunkt konnte die Spielsucht des Vermissten sein. Meine Auftraggeberin hatte davon allerdings nichts erwähnt. Ich nahm mir vor, sie danach zu fragen, wenn ich ihr das Foto zurückbrachte. Zunächst wollte ich mich allerdings in der Szene umhören, ob Rosskopf dort bekannt war.

 

-4-

Fünf Monate zuvor.

Es ging gerade ein leichter Schauer nieder, als der blaue VW Bus auf der Landstraße zwischen Fümmelse und Wolfenbüttel seine Geschwindigkeit reduzierte, bis er neben dem Fahrrad des neunjährigen Mädchens fuhr. Anna war wegen dem wenigen Platz, den ihr der Fahrer des Wagens gelassen hatte, gezwungen, immer weiter am Straßenrand zu fahren. Als weit und breit kein anderer Wagen zu sehen war, drängte sie der Fahrer ganz von der Fahrbahn ab.

Anna stürzte vom Rad und fiel in den Graben. Der VW Bus stoppte. Der Fahrer stieg aus, vergewisserte sich, ob es Zeugen gab, zog eine Sturmhaube über, öffnete den Laderaum und stieg zu dem Mädchen in den Graben. Erst jetzt begriff Anna den Ernst der Situation und rief um Hilfe. „Hör auf zu plärren, sonst muss ich dich knebeln!“ Das Mädchen realisierte die Worte des Mannes nicht. Sie hatte Angst und sie hatte Schmerzen am Knie. Der Mann riss ein breites Stück Klebeband von einer Rolle, die im Laderaum bereit lag und klebte diesen über Annas Mund. Dann fixierte er ihre Hände damit und zog sie unter ihrem Fahrrad hervor.

Ein hastiger Blick in beide Fahrtrichtungen der Straße verschafft ihm die Gewissheit, dass er immer noch allein mit dem Kind war. Er schob sie in den Bulli und stieg noch einmal in den Graben, um das Fahrrad zu holen. Anna versuchte den Moment zur Flucht zu nutzen. Sie sprang von der Ladefläche und stürzte. Das Klebeband über ihrem Mund löste sich. Sie rappelte sich auf, doch ihr Fluchtversuch blieb nicht unbemerkt.

„Hiergeblieben!“, fauchte sie der Mann an, während er sie auch schon am Arm packte und zurück in den Bulli drückte. Bevor er sich wieder um das Fahrrad kümmerte, wickelte er das Klebeband um ihre Beine und einmal komplett um ihren Kopf. Dann schnappte er sich das rote Kinderfahrrad und warf es neben sie auf die Ladefläche. Anna hatte Todesangst, als er die Seitentür zuzog und es um sie herum dunkel wurde.

Der Bulli setzte sich in Bewegung. Das Rad schepperte über den Blechboden. In den Kurven wurde das Mädchen immer wieder hin und hergeworfen. Sie versuchte an das Handy in ihrer Jackentasche zu gelangen. Der Mann hatte es ihr nicht abgenommen. Durch das Klebeband, mit dem Ihre Hände gefesselt waren, gelangte sie jedoch nicht an die Jackentasche. In ihrer Verzweiflung versuchte sie sich von den Fesseln zu befreien. Da die Fahrt jedoch bereits nach wenigen Minuten endete und die Tür wieder aufgezogen wurde, blieb ihr nicht genug Zeit.

Der Mann packte sie, nahm sie unter den Arm und trug sie wie ein Sack Kartoffeln durch eine Tür in eine große Halle. Anna hatte keine Ahnung, wo sie sich befand. Sie versuchte so viel wie möglich zu sehen, sich Details einzuprägen, doch nichts von dem, was sie sah, kam ihr bekannt vor. Was um Himmels Willen wollte der Mann von ihr? Wo brachte er sie hin? Während er sie trug, wehrte sie sich nach Leibeskräften, doch all das Winden und Strampeln nutzte ihr nichts. Der Mann war einfach zu stark. Mit der Sturmhaube wirkte er bedrohlich.

Er schleppte sie in den hinteren Bereich der Halle und weiter in einen Raum, der sich anschloss. Als Anna sah, dass er den Deckel einer riesigen Gefriertruhe öffnete, unternahm sie einen letzten verzweifelten Versuch, sich zu befreien. Natürlich hatte sie gegen den kräftigen Mann nicht den Hauch einer Chance. Er durchsuchte ihre Taschen und fand das Handy. Anschließend befreite er sie von dem Klebeband, welches er ihr um Mund und Kopf gewickelt hatte und legte sie in die Truhe. Anna schrie so laut sie konnte.

„Das kannst du dir sparen, hier kann dich niemand hören. Je eher dein Vater für dich bezahlt, umso früher bist du wieder frei.“ „Ich will da nicht rein!“, wehrte sich Anna mit letzter Kraft. „Hör zu, Kleine, ich sage es nur einmal. In der Truhe sind Luftlöcher, wenn du sie verstopfst, wirst du ersticken. An der Seite findest du einen Eimer, falls du mal musst, und eine Taschenlampe. Wenn du sparsam mit dem Licht bist, werden die Batterien ausreichen. Ich habe dir eine Flasche Brause und etwas zu essen neben den Eimer gelegt. Wenn alles so läuft, wie ich es mir vorstelle, bist du morgen wieder bei deiner Familie.“

Mit diesen Worten hob er Anna in die Truhe, befreite sie von dem Klebeband um ihre Handgelenke und schloss den Deckel. Anna schrie immer noch aus Leibeskräften, doch sie konnte den Mann nicht daran hindern, die Truhe zu verschließen und unter schweren Gegenständen zu verbergen. Zunächst fiel spärliches Licht durch die Lüftungslöcher, doch nachdem der Mann die Tür zu dem Raum geschlossen hatte, spürte sie nur noch einen schwachen Luftstrom, der auf dem gleichen Weg in die Truhe gelangte.

Nach einer Weile realisierte Anna, dass sie tatsächlich niemand hören würde. Während ihre Schreie erstarben, liefen die Tränen. Sie fürchtete sich vor der Rückkehr des Mannes und sie fürchtete sich vor der Dunkelheit und dem Ort, an dem sie eingesperrt war. Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, tastete sie den Boden der Truhe nach der Taschenlampe ab. Sie fand sie schließlich und schaltete sie ein. Sie sah die weißen Wände aus Blech, die sie umgaben. Sie sah die Decke, die auf dem Boden ausgebreitet war. Anna richtete ihren Oberkörper auf und sah den Eimer, die Brauseflasche und das Essen, welches sich daneben, am anderen Ende der Truhe befand. Ein muffiger Geruch kribbelte ihr in der Nase, löste einen leichten Ekel in ihr aus. Jetzt erst spürte sie den Schmerz in ihren Beinen und sie fühlte eine heftige Beule an ihrem Kopf. All das hatte viel Kraft gekostet und so kauerte sie sich in einer Ecke zusammen und schlief irgendwann ein.

 

Aktualisierung vom 02.03.19

-5-

„Ich mache keine Scherze, Herr Kolbe!“, wurde die verzerrte Stimme nachdrücklicher. „Wenn Sie Ihre Tochter lebend wiedersehen wollen, halten Sie bis morgen um 15 Uhr 250000 Euro bereit. Sollten Sie die Polizei einschalten, ist Ihre Tochter tot. Wenn Sie das Geld nicht aufbringen können, ist Ihre Tochter tot.“ „Wer sagt mir denn, ob Sie mein Kind wirklich entführt haben und ob es Anna gut geht? Ich will sofort mit ihr sprechen!“ „Sie haben hier keine Forderungen zu stellen!“, erwiderte der Entführer wutentbrannt. „Eine viertel Million, oder Ihre Tochter ist tot. Sie haben die Wahl.“

Mit diesen Worten beendete der Anrufer das Gespräch. Michael Kolbe war kreideweiß, als er das Telefon zur Seite legte. In diesem Moment wurde die Haustür geöffnet und seine Frau kam herein. Sie stellte die Einkaufstaschen gut gelaunt auf den Küchentisch, zog den Mantel aus und warf ihn über einen Stuhl. „Hallo Schatz“, ließ sie die offene Küche hinter sich, um an der Bar im Wohnbereich nach der Flasche Sherry zu greifen. So, wie es seit einiger Zeit zur Gewohnheit geworden war.

Michael riss ihr wortlos die Flasche aus der Hand. „Spinnst du?“, keifte sie ihn an. „Wo ist Anna?“, blökte er zurück. „Ist sie nicht zu Hause?“ Ihr Mann griff sie mit beiden Händen an den Schultern und schüttelte sie. „Wieso hast du Anna nicht vom Reiterhof abgeholt?“ Franziska Kolbe griff erneut nach dem Sherry. „Deine Prinzessin ist alt genug. Außerdem wollte sie mit dem Fahrrad fahren.“ „Du bist so erbärmlich“, fand er kaum Worte, um seine Empfindungen auszudrücken. „Anna muss bei Wind und Wetter mit dem Rad fahren, damit du in aller Ruhe shoppen kannst. Du solltest dich in Grund und Boden schämen!“ „Also hör...“ „Darum geht es jetzt nicht“, ließ Michael Kolbe seine Frau nicht zu Wort kommen. „Anna wurde entführt. Ich soll bis morgen eine viertel Million zahlen.“

Franziska Kolbe schenkte sich ein großes Glas Sherry ein und leerte es in einem einzigen Zug. „Hast du die Polizei schon angerufen?“ „Der Entführer hat mich eindringlich davor gewarnt“, entgegnete ihr Ehemann. „Aber das tun die doch immer“, relativierte Franziska, während sie sich ein weiteres Glas einschenkte. „Hör jetzt endlich mit dem Saufen auf!“, schrie er sie an. „Du musst jetzt einen klaren Kopf bewahren.“ „Es reicht doch, wenn du nüchtern bist.“ Als sie erneut ansetzen wollte, schlug ihr der Unternehmer das Glas aus der Hand. „Kapierst du es nicht? Unser Kind wurde entführt!“

Franziska Kolbe sah ihrem Mann mit vernebeltem Blick ins Gesicht. „Du bist ja betrunken“, stellte er entsetzt fest. „Was du nicht sagst. Da habe ich mir in der Stadt wohl schon ein Likörchen gegönnt.“ Michael Kolbe winkte ab. Von seiner Frau hatte er keine Unterstützung zu erwarten. So viel stand fest. „Damit eins klar ist...“, gab er ihr unmissverständlich zu verstehen, “...du wirst die Polizei nicht anrufen. Wir müssen alles vermeiden, was Annas Leben gefährden könnte. Wenn Sie wieder zu Hause ist, können wir uns das Geld wieder zurückholen.“ „Du bist der Boss“, lallte Franziska, während sie sich in die Sofaecke lümmelte.

Michael und Franzi hatten seit einiger Zeit Probleme. Sie war unausgeglichen und sie fühlte sich von ihrem Mann unverstanden. Es gab Tage, an denen sie depressiv war und Tage, an denen sie wie aufgezogen wirkte. Die Rolle als Hausfrau und Mutter füllte sie schon seit längerem nicht mehr aus. Immer dann, wenn ihr dies bewusst wurde, versuchte sie ihre Unzufriedenheit mit einer Shoppingtour zu kompensieren. Doch dies reichte in letzter Zeit nicht mehr aus und so benebelte sie sich immer öfter die Sinne mit Alkohol.

Die Zeit, in der die Eheleute miteinander reden konnten, war längst vorbei. Michael machte sich nicht einmal mehr die Mühe, seine Frau zu verstehen. Er konzentrierte seine Kraft auf die Firma. Nach dem Ausscheiden seines Partners vor drei Jahren musste er sich um alles selber kümmern. So war es nur logisch, dass er immer mehr Zeit aufwenden musste, um seiner Verantwortung als Unternehmer gerecht zu werden. Die wenige Zeit, die ihm blieb, verbrachte er überwiegend mit Anna, die er über alles liebte.

Dass seine Ehe dabei auf der Strecke blieb, war eine logische Konsequenz, der er sich nicht bewusst war. Für ihn war die klassische Rollenverteilung unabdingbar. Während er für den Unterhalt sorgte, sollte sich seine Ehefrau um das Wohl der Familie kümmern. Nun hatte diese heile Fassade einen tiefen Kratzer bekommen. Jetzt, da er Franziska brauchte, funktionierte sie nicht. Zum ersten Mal war ihm dies wirklich bewusst geworden. Sobald Anna wieder da war, wollte er sich darum kümmern.

Eine viertel Million war genau die Summe, die er in seinem Tresor aufbewahrte. Schwarzgeld, welches er an der Steuer vorbei in den letzten Jahren angehäuft hatte. Der Unternehmer fragte sich, ob dies Zufall war, oder ob der Entführer davon wissen konnte? Er verwarf diesen Gedanken ebenso schnell, wie er ihm gekommen war. Es konnte nur Zufall sein. Franzi hatte keine Ahnung von seinem Notgroschen und die Kombination für den Tresor war ausschließlich ihm bekannt.

Obwohl er genau wusste, dass er die gewünschte Summe im Safe hatte, begab er sich in sein Büro, verschloss die Tür und nahm das Geld aus dem Tresor. Er zählte es und tat es in eine Plastiktüte. Er hatte nicht eine Sekunde gezögert, als ihn der Entführer vor die Wahl stellte. Für kein Geld der Welt würde er das Leben seiner Tochter gefährden. Es war nur Geld, sonst nichts. Einzig die Tatsache, dass sich Franziska nicht an die Absprache gehalten und Anna nicht vom Reitstall abgeholt hatte, ärgerte ihn maßlos.

Nachdem er das Geld zurückgelegt hatte, kehrte er ins Wohnzimmer zurück. Franziska war inzwischen auf dem Sofa eingeschlafen. Er deckte sie mit einer Decke zu und setzte sich mit einem Glas Whisky in einen der Sessel. Während er seiner Frau beim Schlafen zusah, überlegte er, wer der Entführer sein konnte. Wer kannte Annas Gewohnheiten und wusste von ihrem Hobby? Hatte er sie beobachtet? Gab es jemanden, dem er kürzlich auf die Füße getreten war? Er war Unternehmer, natürlich gab es im Zusammenhang mit seinen Geschäften immer wieder Menschen, die sich von ihm übervorteilt fühlten.

Michael Kolbe war ratlos. Seiner Meinung nach gab es in diesem Zusammenhang nichts, was die Entführung seiner Tochter rechtfertigen würde. Ob Justus Marschall, sein ehemaliger Partner, dahintersteckte? Drei Jahre war es inzwischen her, dass er sich von ihm getrennt und ihn ausgezahlt hatte. Seine Zockerei hatte ihre Freundschaft und nicht zuletzt die Firma in ernste Schwierigkeiten gebracht. Justus hatte sich an der Firmenkasse vergriffen, um seine Spielschulden zu zahlen. Als es Michael bemerkte, hatte Justus bereits eine sechsstellige Summe veruntreut.

Als die Sache aufflog, zeigte sich sein Partner reumütig. Die beste Lösung erschien beiden die Trennung und damit seine Auszahlung zu sein. Als die Firma daraufhin bewertet wurde, fiel der Betrag, der ihm nach Abzug der Veruntreuung blieb, geringer aus, als von ihm erwartet. Wie so oft, wenn sich Partner trennen, glaubte Justus von Michael betrogen worden zu sein. Da Kolbe nichts mehr von seinem ehemaligen Partner hörte, glaubte er, dieser habe sich besonnen und letztendlich mit der Restsumme abgefunden. Sollte er sich nun in solch niederträchtiger Weise an ihm rächen wollen?

Kolbe überlegte, ob er seinen ehemaligen Partner anrufen und ihn gerade heraus nach der Entführung fragen sollte, verwarf diesen Gedanken jedoch wieder, weil ihm das Risiko zu hoch erschien. Sollte er mit seiner Vermutung ins Schwarze treffen, würde er Anna unnötig gefährden. Er traute Justus Marschall einiges zu, aber um eine solche Aktion durchzuführen, war er definitiv zu weich.

Immer und immer wieder waren ihm die Worte des Entführers durch den Kopf gegangen. Immer und immer wieder musste er auch an Franzis Worte denken. War es wirklich besser, sich an die Forderung des Mannes zu halten und die Polizei aus der Sache herauszulassen? Es war nicht nur die Warnung des Entführers, sondern auch die Tatsache, dass er in diesem Fall kein Schwarzgeld verwenden konnte, sondern einen Bankkredit aufnehmen musste, um die Lösegeldforderung bedienen zu können. Wenn die Tat nicht nur aus der Gier nach Geld, sondern aus Hass gegen ihn motiviert war, würde der Täter nach seiner Festnahme den Ort, an dem er Anna versteckt hielt, möglicherweise nicht preisgeben. Ein solches Risiko konnte er auf keinen Fall eingehen. Es war schlimm genug, nicht zu wissen, wie es Anna ging. In diesen Stunden nicht bei ihr sein zu können, sie zu trösten und ihr Mut zuzusprechen, brach ihm das Herz.

Er sah zu Franziska hinüber. Sie schlief völlig entspannt. Es schien ihm, als habe sie die Entführung ihres Kindes in ihrem von Alkohol vernebelten Hirn gar nicht mitbekommen. Michael schüttelte ratlos den Kopf. Warum nur hatte sie sich so sehr verändert? Was hatte das Leben mit ihnen gemacht? Was hatte es aus ihrer Ehe gemacht? War es schon zu spät, um auf die Reset Taste zu drücken und noch einmal dort zu beginnen, wo sie den Faden zueinander verloren hatten? Vielleicht konnte die Entführung der Anlass für einen Neubeginn sein? Waren ihre Gefühle füreinander überhaupt noch stark genug? Michael war klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Wenn er ihre Ehe retten wollte, mussten sie miteinander reden. Möglicherweise sogar zu einer Paartherapie gehen.

 

-6-

Irgendetwas war da draußen, tippelte durch den Raum und nun sogar über die Truhe. Anna war davon aus dem Schlaf geschreckt. Sie hatte Angst, suchte panisch nach der Taschenlampe. Irgendwo musste sie doch liegen! Sie hatte die Lampe doch direkt neben sich abgelegt. Da, da war es wieder, dieses Trippeln. „Hallo! Ist da jemand?“, rief Anna verzweifelt in die Dunkelheit. Doch eine Antwort blieb aus. „Hallo! Ich bin hier drinnen, in der Truhe. Bitte helfen Sie mir!“ Anna schlug an die Blechwände ihres Gefängnisses. Dann lauschte sie. Was immer da draußen war, es rührte sich nicht mehr.

Nun waren es leise Tränen, die Anna weinte. Wenigstens spürte sie plötzlich die Taschenlampe unter sich. Sie schaltete sie ein. Der Lichtkegel leuchtete auf den Eimer. Bis jetzt hatte sie nichts von dem genommen, was ihr der Mann in der Truhe an Essen und Trinken zurückgelassen hatte, aber nun war ihr Durst zu stark geworden, um es nicht anzunehmen. Langsam schob sie sich zur Flasche, öffnete sie und nahm einen ersten, zaghaften Schluck. Gleich darauf einen zweiten. Dann sah sie nach, was in der Frischhaltebox lag.

Sie konnte es kaum glauben, als sie darin den Kuchen entdeckte, den sie am liebsten aß. Woher wusste der Mann davon, oder hatte er durch Zufall die Plunderstücke gewählt? Als sie gegessen hatte, schob sie den Rest zurück in die Frischhaltebox. Eigentlich musste sie auch auf die Toilette, doch der Anblick des Eimers ließ sie zögern. Irgendwann blieb ihr nichts anderes übrig, als ihn zu benutzen.

Immer wieder sah sie auf ihre Uhr, zählte die Stunden, die immer langsamer zu vergehen schienen und dachte an die Worte des Mannes. ‘Wenn alles so läuft, wie ich es mir vorstelle, bist du morgen wieder bei deiner Familie'. Anna war klug genug, um sich denken zu können, dass der Mann ihre Eltern um Geld erpressen wollte. Immer wieder hatte sie solche Sendungen im Fernsehen gesehen. Nun war sie selbst entführt worden. Anna fragte sich, was ihre Freundinnen in der Schule sagen würden, wenn sie ihnen davon erzählte. Aber was war, wenn ihr Vater nicht genug Geld hatte oder wenn niemand erfuhr, wo sie war?

Sie versuchte diese Gedanken zu verdrängen, doch einmal da, waren sie nicht mehr zu ignorieren. Mit jeder Stunde, die verging, wurden diese Gedanken stärker und die Angst davor, in der Truhe zu verhungern, ließen jeden ihrer Atemzüge schneller werden. Schließlich brach in ihr Panik aus. Sie begann zu schreien, trommelte mit Fäusten und Füßen gegen die Innenwände der Truhe. Sie stemmte sich gegen den Deckel der Truhe und versuchte ihn mit aller Kraft nach oben zu drücken. Erst als sie keine Kraft mehr hatte, rollte sie sich zusammen und weinte, bis sie schließlich irgendwann völlig erschöpft einschlief.

 

-7-

„Haben Sie das Geld?“, erkundigte sich die Stimme bei Michael Kolbe. „Ja, ich habe mich an Ihre Anweisungen gehalten“, erklärte der Unternehmer. „Bevor ich Ihnen das Geld übergebe, möchte ich mit Anna sprechen.“ „Das können Sie vergessen!“, entgegnete der Entführer kompromisslos. „Woher soll ich wissen, ob es ihr gut geht? Vielleicht haben Sie mein Kind ja schon längst getötet?“ „Das Risiko müssen Sie wohl eingehen, wenn Sie Ihr Balg zurückhaben wollen“, ließ sich der Anrufer auf nichts ein.

„Sie mieses Schwein!“, konnte sich Franziska nicht länger beherrschen. Sie hatte das Gespräch über den Lautsprecher des Handys mitverfolgt. „Wie können Sie nur ein wehrloses Kind für Ihre Zwecke missbrauchen?“ „Ah, die wehrte Frau Gemahlin“, erkannte der Entführer die Stimme. „Wenn Sie mit Ihrer Familienplanung nicht von vorn beginnen wollen, halten Sie jetzt die Klappe und lassen Sie Ihren Mann sprechen.“ „Meine Frau wird sich jetzt beherrschen“, versprach der Unternehmer. „Kommen Sie mit dem Geld um exakt 15 Uhr ins Café Klatsch in der Fußgängerzone.“ „Gut, das kenne ich.“ „Sie bekommen dort weitere Instruktionen.“ Der Entführer beendete das Gespräch.

„Bist du wahnsinnig?“, ereiferte sich Michael Kolbe, nachdem er das Gespräch beendet hatte. „Wie kannst du den Kerl derart angehen? Was ist, wenn es sich um einen Psychopathen handelt und er sich für deine Worte an Anna rächt?“ „Oh verdammt, daran habe ich gar nicht gedacht. Ich konnte mich einfach nicht beherrschen.“ Der Unternehmer rieb sich die Stirn. So, wie er es in Stresssituationen immer tat. „Was überlegst du?“, ahnte Franziska, dass ihr Mann etwas ausheckte. „Woher weiß ich, dass mir der Kerl bei der Geldübergabe wirklich sagt, wo er Anna versteckt hält?“ „Willst du die Polizei nun doch einschalten?“ „Unsinn!“, entgegnete ihr Ehemann genervt. „Ich kann ebenso wenig jemand anderen einweihen, aber vielleicht könnte ich ihm unbemerkt einen Peilsender in die Tasche stecken.“

Franziskas Stirn krauste sich. „Einen Peilsender“, wiederholte sie ungläubig. „Wo um alles in der Welt willst du den denn auf die Schnelle herbekommen?“ „Ich besitze eine KFZ Werkstatt, schon vergessen? „Wir haben die Dinger massenhaft im Lager liegen. Einmal kodiert, kann ich den Sender mit einem Smartphone überall hin verfolgen.“ „Du bist verrückt, aber nicht dumm“, schmunzelte Franziska angetan. „Ich will einfach nur auf Nummer Sicher gehen.“

Michael Kolbe hatte das Geld aus seinem Tresor genommen, noch einmal gezählt und wieder eingetütet. Diesen Beutel verstaute er dann in einer zweiten Plastiktüte. Anschließend fuhr er in die Firma, wo er sich persönlich den Peilsender aus dem Lager holte und in seinem Büro kodierte. Als er sicher war, dass sein Equipment einwandfrei funktionierte, fuhr er mit dem Geld in die Stadt. Der Entführer hatte nichts davon gesagt, worin er das Geld transportieren sollte, also hatte sich Annas Vater für die seiner Meinung nach unauffälligste Variante entschieden.

Kurz vor der angesetzten Zeit fand sich der Unternehmer im Café Klatsch ein. Er setzte sich unterhalb der Treppe an einen der noch freien Tische und bestellte einen Espresso. Einige Minuten lang geschah nichts. Immer wieder sah er auf seine Uhr. Die vom Entführer vorgegebene Zeit war bereits um einige Minuten überschritten, als plötzlich das Telefon des Cafés läutete. „Sind Sie Herr Michael Kolbe?“, erkundigte sich die Bedienung. „Ja“, nickte der Angesprochene. „Telefon für Sie.“

„Kolbe“, meldete sich Annas Vater. „Gehen Sie zur Toilette. Im Vorraum steht eine Palme. An der Rückseite des Pflanzenkübels ist mit Klebeband ein Handy befestigt. Schalten Sie es an und stecken Sie es ein. Dann zahlen Sie und verlassen das Café in Richtung Krambuden. Ich melde mich wieder bei Ihnen.“ Bevor er etwas fragen konnte, riss die Verbindung ab.

„Wo befinden sich die Toiletten?“, erkundigte sich Kolbe bei der Bedienung. „Treppe runter, gerade durch“, deutete der kräftige Mann auf eine Tür, am Ende des Gastraumes. Der Unternehmer bedankte sich und tat wie ihm aufgetragen. Er zahlte und verließ mit dem Handy und der Plastiktüte das Café.

Das Handy klingelte, als er die Krambuden erreichte. „Gehen Sie nach rechts, an der Baustelle vorbei. Biegen Sie nach links ab und überqueren sie die Oker. Gleich darauf geht es nach rechts in einen Park.“ „Der Seeliger Park“, schlussfolgerte Kolbe. „Genau“, bestätigte der Anrufer. „Lassen Sie die Villa links liegen und folgen Sie dem Weg, bis Sie an eine langgezogene Mauer kommen. Ich melde mich dann bei Ihnen.“ Der Unternehmer sah sich um. Der Kidnapper musste sich ganz in seiner Nähe aufhalten und doch schien es keiner von den Menschen zu sein, die ihn gerade umgaben.

Wie auch immer, er musste den Anweisungen folgen. Michael Kolbe kannte den Seeliger Park aus seiner Jugend. Damals hatte er sich dort mit seinen Freunden getroffen, nach der Schule die ersten Zigaretten geraucht und das erste Mädchen geküsst. Er dachte an die Kasematten und an die alte Spinnerei, auf dessen Gelände sich heute ein Parkplatz befindet. Er erinnerte sich an ein großes Gebäude, welches sich auf der anderen Seite der Oker befand. Dort hatte er damals einige Möbel für seine erste eigene Wohnung gekauft. Heute befand sich an gleicher Stelle die Musikakademie.

Er ließ die auf einem Hügel über den Kasematten errichtete Villa der Familie Seeliger links liegen und erreichte schließlich die alte Mauer, die den Park zum Parkplatz hin abgrenzt. Das Handy meldete sich erneut. „Wo soll ich Ihnen das Geld übergeben?“ „Gehen Sie an der Mauer entlang bis Sie an ein gelbes Graffiti kommen. Im Schlund des Drachen befindet sich ein Loch. Legen Sie das Geld mitsamt der Tüte dort hinein.“ Kolbe sah sich ein weiteres Mal nach allen Seiten um. Der Kerl musste in der Nähe sein. Woher sonst sollte er wissen, worin er das Geld transportierte. „Tun Sie, was ich Ihnen gesagt habe. Sie werden mich nicht sehen.“

Seine Idee mit dem Peilsender konnte er somit vergessen. Das Risiko, den Chip zwischen dem Geld zu verstecken, war zu groß. Andererseits war die Gefahr, dass er einfach mit dem Geld verschwand, ohne ihm das Versteck zu nennen, keinesfalls geringer. Kolbe blieb keine Zeit, dass eine mit dem anderen abzuwiegen. Er entschloss sich schließlich, den Sender zwischen den beiden Tüten zu deponieren. Als er die Stelle mit dem Graffiti erreichte, sah er sich um und packte das Geld schließlich in den Schlund des Drachens.

„Was ist jetzt, wo ist meine Tochter?“, fragte Kolbe, ohne zu wissen, ob ihn der Entführer hören würde. Als er keine Antwort erhielt, griff er erneut in das Loch, um das Geld wieder an sich zu nehmen. Mit Verblüffen musste er jedoch feststellen, dass sich die Tüte nicht mehr darin befand. Als er genauer nachsah und das Loch mit der Hand abtastete, bemerkte er auf der Rückseite der Mauer ein Holzbrett, welches im Farbton des Mauerwerks gestrichen war.

Er schlug das Brett heraus und sah durch das Loch, doch von dem Entführer fehlte jede Spur. Wut, Verzweiflung und die Angst, seine Tochter niemals wiederzusehen, ließen ihn verzweifeln und doch nahm er sich zusammen und rannte um die Mauer herum auf den Parkplatz. Er sah einige Personen, die ihren Wagen dort abgestellt hatten. Wie sollte er den Mann erkennen? Sein Handy mit der App für den Peilsender war nun die letzte Chance, die ihm blieb.

Der Unternehmer schaltete es ein und rief das Programm auf. Es funktionierte! Michael Kolbe fiel ein Stein vom Herzen. Auf einem Teil des Stadtplans blinkte ein roter Punkt. Dieser zeigte an, wo sich die Tüten und somit der Entführer gerade befanden. Der blinkende Punkt bewegte sich relativ schnell. Demnach schien der Mann in einem Auto oder mit einem Motorrad unterwegs zu sein. Anders als bei Peilsendern, die sich lediglich über Funk orten ließen, handelte es sich bei diesem Typ über ein GPS gestütztes Signal, welches über Satelliten verfolgt wurde. Die Entfernung zwischen Sender und Empfänger spielte also keine Rolle.

Michael Kolbe hatte folglich genügend Zeit, um zu seinem Wagen zu gehen und dem Signal dann zu folgen. Als er das Parkhaus am Rosenwall verließ, hatte der Erpresser längst die Stadt verlassen. Der Peilsender bewegte sich über die alte Bundesstraße 4 zwischen Halchter und Ohrum. Seine Rechnung war offenbar aufgegangen und der Sender war nicht bemerkt worden. Als sich Kolbe in Höhe des Stadtbades befand, blinkte der rote Punkt in Dorstadt. An der Kreuzung am TÜV bog der Kidnapper gerade in Heinigen nach links ab und fuhr weiter in Richtung Börßum.

Während der Unternehmer dem Wagen folgte, kamen immer wieder Zweifel in ihm auf, ob er wirklich das Richtige tat. War es nun vielleicht doch besser, die Polizei einzuschalten? Dem Mann in der Notrufzentrale zumindest von der Entführung zu erzählen und ihm den Ort mitzuteilen, an dem der Erpresser sein Ziel erreicht hatte? Doch dann erinnerte er sich an das Schwarzgeld, welches er dem Kidnapper gab und er verwarf diese Gedanken wieder. Kolbe sagte sich, dass es zunächst das Wichtigste war, den Ort zu kennen, wo Anna versteckt wurde. Alles Weitere würde sich finden.

Aktualisierung vom 09.03.19

-8-

Die stickige Luft in der Truhe hatte Anna nicht lange schlafen lassen. Immer wieder hatte sie das Licht der Taschenlampe eingeschaltet, um auf ihre Uhr zu sehen. Jedes Mal war sie enttäuscht, weil die Zeit einfach nicht schneller vergehen wollte. Der Mann hatte versprochen, dass sie schon bald wieder zu ihrer Familie zurück durfte. Immer dann, wenn ihr wieder zum Weinen zumute war, dachte sie an seine Worte und aus ihrer Angst wurden Hoffnung und Zuversicht. Sie sah das markante Gesicht ihres Vaters vor sich und dachte an seine gütigen Augen, wenn sie mal wieder etwas ausgefressen hatte.

Nein, diesmal konnte sie nichts für ihre Lage, beruhigte sie sich. Er würde es ihr bestimmt nicht übelnehmen. Seit Stunden schon hatte sie nicht mehr geweint, nicht nach Hilfe gerufen und auch sonst keinen Ton mehr gesagt. Anna war still geworden, merkwürdig still. Es schien, als könne ihr all dies nichts mehr anhaben, so als hätte sie die momentane Ausweglosigkeit ihrer Lage akzeptiert. Das schlimmste aber war vor allem die Dunkelheit, die sie umgab. Sie hatte ihren Oberkörper aufgerichtet und sich mit dem Rücken an der Wand der Truhe gelehnt. Immer dann, wenn sie die Finsternis nicht mehr ertrug, schaltete sie die Taschenlampe an. Ihr Blick richtete sich dann fast stoisch auf die inzwischen leere Brauseflasche.

-9-

Der Peilsender bewegte sich schon seit einigen Minuten nicht mehr von der Stelle. Er blinkte nach wie vor nahe der Börßumer Hauptstraße. Einige Minuten später erreichte auch Michael Kolbe den kleinen Ort mit dem großen Bahnhof. Die Häuser schlängelten sich zu einem großen Teil wie an einer Perlenkette aufgezogen, an der Hauptstraße entlang. Noch vor der Volksbank bog der Unternehmer links ab und fuhr einen kleinen Berg hinauf. Er befand sich nun in unmittelbarer Nähe zum Peilsender, Der ihn nun nach links in den ‚Oderblick‘ lotste. Er hielt auf einem Parkstreifen rechts der Straße. Von hier aus hatte er einen guten Blick.

Ein Stück weiter auf der gleichen Straßenseite befand sich eine Kirche, die offenbar nicht mehr genutzt wurde. Der verwilderte Garten und die an mehreren Stellen auf dem Gelände abgestellten Baumaterialien deuteten darauf hin, dass das Gotteshaus umgebaut oder renoviert wurde. Ein ideales Versteck, schlussfolgerte Michael Kolbe. Er stieg aus, ging ein Stück weit die Straße hinunter und sah sich das Grundstück dabei genauer an.

Vor dem beschädigten Zaun und einer Pforte, die nur noch von Rost zusammengehalten wurde, parkte ein älterer VW Bus mit dem Werbeaufdruck für einen Handwerksbetrieb. Da sich niemand in dem Wagen aufhielt, überwand der Unternehmer kurzerhand den Zaun und schlich sich auf die ehemalige Kirche zu. Als er sich dem Gebäude näherte, vernahm er undefinierbare Laute, die aus dem Inneren des Gebäudes stammten. Immer wieder sah er sich aufmerksam nach allen Seiten um. Falls ihn der Entführer oder ein möglicher Komplize überraschte, war Anna mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren.

Nachdem er das Gotteshaus umrundet und weder einen zweiten Eingang noch ein Fenster gefunden hatte, durch das er in das Innere hätte sehen können, beschloss er, zu seinem Wagen zurückzugehen und dort abzuwarten. Es wäre dumm gewesen, ohne jede Ahnung von dem, was ihn erwarten würde, in die Kirche einzudringen. Der oder die Täter konnten bewaffnet sein und auf ihn schießen. Abgesehen davon war es nicht ausgeschlossen, dass sich der Entführer bei ihm melden würde, um ihm Annas Aufenthaltsort mitzuteilen. Immerhin war bis zu diesem Zeitpunkt nichts geschehen, was den Entführer zu einer noch schlimmeren Tat veranlassen konnte.

Nachdem Michael Kolbe die App in seinem Handy aufgerufen hatte, um nach dem Signal des Peilsenders zu sehen, befand sich dieses nach wie vor in unmittelbarer Nähe. Merkwürdig war allerdings, dass sich die Tüte mit dem Geld noch immer im Bulli befand. Er hatte keine Zeit, um intensiver über diesen Umstand nachzudenken, denn bereits mit dem nächsten Atemzug verließen zwei Männer in Arbeitshosen die Kirche. Kolbe hatte sie nie zuvor gesehen. Sie stiegen in den Bulli und fuhren davon.

Auf genau eine solche Gelegenheit hatte Michael Kolbe gewartet. Er sprang aus dem Wagen und ging zur Kirche. Zwischen den Baumaterialien entdeckte er ein Rohr aus Eisen, welches er vorsorglich mitnahm. Der Eingang war zwar verschlossen, bot dem Rohr allerdings nur wenig Gegenwehr. Kolbe schob es zwischen Tür und Rahmen und hebelte den Eingang auf. Nichts konnte ihn nun noch davon abbringen, sein Kind zu befreien. Während er Raum für Raum nach ihr absuchte, rief er immer wieder ihren Namen. Doch ihre Antwort blieb aus.

Schließlich setzte er sich verzweifelt auf einen Stapel aus Paletten und ließ seinen Gefühlen freien Lauf. Michael Kolbe war klar, dass seine Tochter nicht an diesem Ort versteckt war. Aber weshalb hatte sich der Entführer über Stunden hier aufgehalten? Er griff sich an den Kopf. Mit einmal war ihm der Grund dafür nur allzu klar. Der Mann hatte sich ein Alibi verschafft. Er sah auf sein Handy und starrte auf das Signal des Senders. Es befand sich nun in Hornburg und es bewegte sich nicht. Ein gutes Zeichen, schoss es ihn durch den Kopf. Neue Hoffnung keimte in ihm auf, ließ ihn all die schlechten Gedanken verdrängen, die sich in den letzten Minuten angesammelt hatten.

Annas Vater wischte sich mit dem Ärmel seines Jacketts über das Gesicht. Es war, als wischte er mit den Tränen auch den Misserfolg zur Seite. Er sprang auf und schlug mit der Faust in die andere Hand. So, als würde er sich selbst Mut machen, sich anfeuern, um das längst verloren geglaubte doch noch zu erreichen.

Wenige Minuten später stoppte er seinen Wagen vor dem Firmenhof einer Tischlerei. Der VW Bus, den er vor der Kirche gesehen hatte, war vor der Werkstatt abgestellt. Von den beiden Männern, die er kurz zuvor in Börßum gesehen hatte, fehlte jede Spur. Kolbe betrat das Firmengelände und sah sich den Wagen genauer an. Laut der App in seinem Handy musste sich der Peilsender nach wie vor im Wagen befinden.

„Wer sind Sie? Was machen Sie hier?“, vernahm er plötzlich die Stimme einer Frau. „Entschuldigen Sie mein Eindringen, ich habe keine böse Absicht.“ „Das kann jeder behaupten“, entgegnete die Frau argwöhnisch. Wie sollte er seine Anwesenheit plausibel erklären, ohne der Frau zu vertrauen? Andererseits konnte sie mit dem Entführer unter einer Decke stecken. Er konnte dieses Risiko nicht eingehen, also schob er sie kurzerhand zur Seite, riss die Tür auf, aus der sie den Hof betreten hatte, und rannte in die Werkstatt.

„He! Sind Sie verrückt geworden? Verlassen Sie sofort den Betrieb, sonst rufe ich die Polizei!“ Kolbe schien von dem Gedanken, seine Tochter an diesem Ort zu finden, wie besessen. Er ließ die junge Frau unbeachtet hinter sich herlaufen, während er zunächst die Werkstatt und dann das Lager inspizierte. „Wenn Sie jetzt nicht endlich verschwinden, rufe ich wirklich die Polizei!“ „Mein Gott, dann rufen Sie sie doch! Jetzt ist mir auch alles egal.“

„Mein Name ist Kolbe“, fasste er sich schließlich ein Herz. „Ich suche nach meiner Tochter. Sie wurde gestern entführt.“ Die Stirn der Frau krauste sich. „Das tut mir wirklich leid, aber wie kommen Sie darauf, Ihre Tochter in meiner Werkstatt zu suchen?“ Kolbe horchte auf. „Sie sind die Chefin der Tischlerei?“ „Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen“, hob sie ihre Brauen. „Warum sollte ich?“

Kolbe hielt ihr sein Handy mit der geöffneten App entgegen. „Was soll das sein?“ „In Ihrem Wagen befindet sich ein Peilsender, auf den mein Handy reagiert. Ich hatte ihn in der Plastiktüte versteckt, die ich dem Erpresser übergab. Ich bin dem Wagen dann von Wolfenbüttel aus nach Börßum und danach hierher gefolgt.“ „Allmählich verstehe ich“, entgegnete die junge Frau verständnisvoll. „Einer meiner Monteure war für mich beim Finanzamt, um etwas abzugeben. Dabei muss ihm der Entführer Ihrer Tochter diesen Sender ins Auto geworfen haben. Mein Angestellter hat es wahrscheinlich gar nicht bemerkt.“

Michael Kolbe griff sich entsetzt an den Kopf. „Das wäre eine Katastrophe!“ „Haben Sie die Polizei denn nicht informiert?“ „Die Entführer drohen für den Fall, dass ich die Polizei einschalte, meine Tochter zu töten“, erklärte Kolbe mit bebender Stimme. „Ja aber was wollen Sie denn jetzt unternehmen?“, sah die junge Frau die Verzweiflung in den Augen ihres Gegenübers. Annas Vater zuckte mit den Achseln. „Nichts. Ich werde darauf hoffen müssen, dass der Kidnapper Wort hält und sich bei mir meldet.“

-10-

Seit Stunden schon hatte Anna nichts mehr zu sich genommen. Die Brauseflasche war schon seit dem Vormittag leer und von dem Kuchen gab es nur noch einen kleinen Rest. Viel schlimmer aber war, dass der Mann nicht sein Wort gehalten hatte. Sein Versprechen, dass sie bis zum Nachmittag wieder bei ihrer Familie sein konnte, war gelogen. Nach der Anzeige ihrer Uhr war es längst wieder Abend. Der Gedanke, dass niemand kommen würde, um sie aus der Truhe zu befreien, brannte sich in ihr Unterbewusstsein wie ein glühendes Eisen auf nackter Haut. Mit jedem Atemzug wurde ihr bewusster, dass sie in der Truhe sterben würde.

Keine Träne, kein Jammern, kein Klagen, keine Rufe um Hilfe. All das erschien ihr aussichtslos. Stoisch starrte sie in die Dunkelheit. Nahezu teilnahmslos, so, als wäre sie gar nicht das Mädchen, welches da in der Truhe lag und auf den Tod wartete. Keine Gedanken mehr an ihre Freunde, Vater und Mutter, oder an das Pony, welches sie sich mit Laura teilte. Keine Gedanken mehr an die Schule und auch nicht an Oma und Opa. Nur noch der monotone Blick in das Nichts der Dunkelheit.

Sie hatte sich eingenässt, aber selbst das war ihr nicht bewusst. Immer schon hatte sie die Frage beschäftigt, wie es wohl sein mochte, an nichts zu denken. Immer wieder hatte sie es vergeblich versucht. Nun war genau dies eingetreten. Annas Gedanken waren eingefroren, standen still, bewegten sich einfach nicht mehr weiter. Es war ein Gefühl, als atmete sie nicht mehr.

 

letzte Aktualisierung vom 16.03.19

 

-11-

„Wo ist Anna?“, überfiel ihn Franziska, kaum dass ihr Mann zur Tür hereinkam. „Der Entführer hat sich noch nicht bei mir gemeldet“, entgegnete Michael Kolbe resigniert. „Du bist schuld!“, trommelte sie mit ihren Fäusten gegen seine Brust. „Du hättest die Polizei um Hilfe bitten müssen.“ „Du bist ja schon wieder betrunken, Franzi“, schubste er seine Frau zur Seite. „Na und? Was glaubst du wohl, wie es ist, ohne jede Information von dir hier herumsitzen zu müssen? Weshalb hast du nicht angerufen?“

Michael Kolbe machte sich eine Flasche Bier auf und ging in sein Büro. Franziska folgte ihm. „Lass mich nicht hier stehen!“, schrie sie ihn an. Sie hasste es, wenn er sie einfach so stehen ließ. „Ich bin keines deiner Putchens!“, stellte sie klar, ohne dass ihr Ehemann Notiz davon zu nehmen schien. „Also, weshalb hast du mich nicht angerufen? Ich bin Annas Mutter und ich habe genauso ein verdammtes Anrecht darauf, mir Sorgen zu machen.“ Michael winkte ab. „Du weißt ja nicht, was du sagst.“

Kolbe ließ sich hinter seinem Schreibtisch nieder. Er zog den Peilsender aus der Jacketttasche und legte ihn in eine der Schubladen. Die Tischlermeisterin hatte ihn in ihrem Werkstattwagen gefunden. Nachdem sie ihren Monteur angerufen und mit ihm gesprochen hatte, war klar, dass dieser nichts mit der Entführung zu tun hatte. Als er für seine Chefin den Umschlag beim Finanzamt abgab, hatte er das Fenster der Beifahrertür einen Spalt breit aufgelassen. Der Erpresser hatte den Sender offenbar in der Tüte bemerkt und in den fremden Wagen geworfen.

Wahrscheinlich war dies der Grund, weshalb ihn der Entführer nun bestrafte. Wie konnte er nur derart naiv sein und annehmen, dass der Verbrecher den Sender nicht bemerkte? Anna war es letztendlich, die für seinen Fehler leiden musste.

„Ich habe die Schnauze voll!“, plärrte Franziska plötzlich los. „Wenn du nicht zu einer Entscheidung fähig bist, rufe ich eben die Polizei an.“ Sie griff zum Telefon auf seinem Schreibtisch. „Lass die Finger davon! Du machst doch alles nur noch viel schlimmer!“, blökte er sie an, während er ihr das Handy aus der Hand riss. „Wir können doch hier nicht einfach so herumsitzen und darauf hoffen, dass sich der Kerl meldet.“ Michael nahm seine Frau in den Arm. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen.“

„Lass mich!“, schubste sie Michael von sich. „Du bist ein elender Schlappschwanz! Wenn dieser Mann Anna etwas antut, ist es allein deine schuld!“ In diesem Augenblick läutete das Prepaidhandy, welches ihm der Entführer im Café Klatsch hatte zukommen lassen. „Ich weiß“, räumte Kolbe selbstkritisch ein und nahm den Anruf entgegen. „Sie finden Ihre Tochter in einer Kühltruhe auf dem Schrottplatz in Immendorf“, teilte ihm der Entführer mit. Noch bevor Annas Vater eine Frage an den Anrufer richten konnte, beendete dieser das Gespräch.

„Ich weiß jetzt, wo sie ist“, beruhigte Michael Kolbe seine Frau. „Ich fahre mit dir“, bestand Franziska darauf ihren Mann zu begleiten. Der nickte, zog eine Schublade seines Schreibtischs auf und entnahm ihr eine Taschenlampe. „Nur wenn du versprichst, im Wagen auf uns zu warten.“ Franziska stimmte seiner Bedingung kopfnickend zu. Als sie über die ‘Frankfurter Straße' stadtauswärts fuhren, schien Franziska wieder völlig nüchtern zu sein.

Michael Kolbe kannte den Schrottplatz sehr genau. Sein ehemaliger Partner hatte ihn genutzt, um seine illegalen Autoschieberein darüber abzuwickeln. War dies Zufall, oder hatte es etwas mit der Entführung seiner Tochter zu tun? Der Unternehmer stellte die Beantwortung dieser Frage vorerst zurück. Im Augenblick gab es nichts Wichtigeres für ihn, als Anna wohlbehalten zu finden und nach Hause zu bringen.

Das gesamte Gelände lag vollkommen im Dunkeln. Keine einzige Lampe erhellte das Gelände. „Du wartest hier“, befahl er Franziska. Dann öffnete er die Tür seines Wagens und stieg aus. Ohne die kleine Taschenlampe, die er sich vorsorglich eingesteckt hatte, wäre er bereits zu Beginn seiner Suche aufgeschmissen gewesen. Die Beretta in seiner Tasche gab ihm zudem die nötige Sicherheit.

Nachdem er das offene Gelände hinter sich gelassen hatte, stand er nun vor dem verschlossenen Eingang einer Halle. Da er keine weitere Zeit verlieren wollte, warf er sich mit ganzer Kraft gegen die alte Tür aus Blech. Außer dem Schmerz, den er sofort in seiner Schulter verspürte, hatte er nichts erreicht. So alt und rostig die verdammte Tür auch war, sie hielt jeder seiner Einbruchsversuche stand. Letztlich umrundete er die Halle, um nach einem weiteren Zugang zu suchen. Er entdeckte schließlich ein höher gelegenes Fenster mit kleinen Butzenscheiben.

Schnell waren einige Paletten gestapelt, um den hinter dem Fenster gelegenen Raum auszuleuchten. Er sah einige Schwerlastregale in denen Schrott gestapelt war. Michael zog seine Waffe, schlug mit dem Knauf eine der Scheiben ein, griff hindurch und öffnete den Riegel. Das Klirren des Glases alarmierte irgendwo in der Nähe einen Hund, der daraufhin zu bellen begann. Annas Vater ließ sich davon nicht abschrecken. Er kletterte in die Halle und an dem sich direkt dahinter befindlichen Regal nach unten.

Im Lichtkegel seiner Taschenlampe entdeckte er eine Tür. Daran befand sich ein Schild mit einer nahezu verblassten Aufschrift. Sie weckte sein Interesse. Als er die Tür öffnete, fiel ihm sofort eine riesige Kühltruhe auf. Er warf die darauf befindlichen Gegenstände hastig zur Seite und öffnete sie. Als er hineinleuchtete, war es, als träfe ihn ein Blitz mitten ins Herz. Tausende Felsbrocken fielen von seiner Seele, als ihm klar wurde, dass sie unverletzt war. Aber auch unbändige Wut kochte in ihm auf, als er sah, unter welchen Bedingungen man seine Tochter in der Truhe eingepfercht hatte.

„Wach auf, Anna, ich bin es“, weckte er sie. Das Mädchen reagierte hysterisch. Sie schlug wild um sich, war völlig durcheinander. Erst als sich ihr Vater mit der Taschenlampe ins Gesicht leuchtete, erkannte sie ihn und beruhigte sich allmählich. „Es ist vorbei, Kleines. Du brauchst dich nicht mehr fürchten. Ich bringe dich jetzt nach Hause. Mama ist auch hier, sie wartet im Auto auf dich.“

Bislang war Michael nicht aufgefallen, dass Anna kein Wort mit ihm sprach. Das Kind hatte Entsetzliches erlebt, er hatte sie aus dem Schlaf gerissen und zu allem Überfluss hatte sie ihn zunächst nicht erkannt. Er führte ihre hysterische Reaktion letztendlich darauf zurück. Als er Anna durch die Halle trug, fiel ihm ihre nasse Hose auf. Er betete, dass sie von dem Entführer nicht auch noch missbraucht worden war.

„Anna!“, stürmte Franziska ihrer Tochter entgegen und schloss sie in ihre Arme. „Da bist du ja. Dem Himmel sein Dank!“ Franziska herzte und küsste ihre Tochter überschwänglich. „Wie geht es dir, Schatz? Bist du in Ordnung?“ Michael bemerkte, dass Anna sich auch jetzt noch irgendwie abwesend verhielt. Es schien ihm, als sei nur ihre körperliche Hülle vorhanden. „Anna steht sicherlich unter Schock. Wir sollten jetzt nach Hause fahren, damit sie zur Ruhe kommt“, schlug Michael vor. Franziska stimmte ihrem Mann kopfnickend zu, während sie sich zu Anna auf die Rücksitzbank setzte, um sie in den Arm zu nehmen und ihr ganz nah zu sein. Die schob ihre Mutter jedoch mit beiden Händen von sich. Franziska schob es auf den Umstand, dass ihre Tochter noch immer unter Schock stand.

-12-

Auch Tage nachdem Anna wieder zu Hause war, veränderte sich ihr Verhalten nicht. Michael hatte eine erfahrene Psychologin hinzugezogen. Er kannte Vanessa Herzog aus der gemeinsamen Schulzeit am Gymnasium. Er hatte sie erst wenige Wochen vor der Entführung wiedergesehen, als sie sich bei ihm ein neues Auto kaufte. Eine Fügung, an die sich Michael angesichts der Umstände erinnert hatte. Als er ihr von der Entführung erzählte, war sie sofort bereit, sich Anna anzunehmen. Ein Glück für ihn, weil sie nicht nach der Polizei fragte.

„Ich glaube nicht, dass deine Tochter missbraucht wurde“, nahm sie ihrem Schulfreund die größte Last von den Schultern. „Nichtdestotrotz war die Entführung ein traumatisches Erlebnis für Anna.“ „Was kann man machen, damit es ihr so schnell wie möglich wieder besser geht?“, erkundigte sich der besorgte Vater. „Es wird ganz sicher eine Weile dauern, bis sie sich wieder jemandem öffnen kann“, erklärte Vanessa Herzog. „Ihre Seele ist verletzt. So etwas lässt sich nicht wie ein Beinbruch heilen. Du musst dir das Ganze wie eine Blockade vorstellen. Die menschliche Seele bedient sich einer Art Schutzmechanismus, welcher in Kraft tritt, wenn das Gleichgewicht in ihrem Körper zu kippen droht und ihre Psyche ernsthaften Schaden nehmen würde.“

Michael Kolbe rang verzweifelt nach Fassung. „Du sagst, eine solche Sicherung springt dann heraus, wenn es einen heftigen Grund dafür gibt“, fasste er mit seinen Worten zusammen. „Genauso ist es“, bestätigte die Psychologin. „Wenn es so ist, muss man die defekte Sicherung doch einfach nur auswechseln und wieder eindrehen.“ „Wenn es nur so einfach wäre“, seufzte Vanessa. „Anna spricht nicht, weil sie die Vorkommnisse, verbunden mit der übermenschlichen Angst, die sie während der Entführung erlitt, nicht kompensieren kann. Es kann Monate dauern, ehe sie, vielleicht durch ein weiteres traumatisches Erlebnis, wieder sprechen wird.“

„Also hat der Entführer doch irgendetwas Schreckliches mit ihr gemacht“, beharrte Annas Vater auf seine Schlussfolgerung. „Sorry, aber das Einsperren in der Truhe, von der du mir erzähltest, reicht bereits aus, um bei einem Kind eine solche Reaktion hervorzurufen.“ „Wie soll es denn nun weitergehen?“, war Michael Kolbe ratlos. „Anna muss doch zur Schule gehen.“ „Das kannst du vergessen. Ich werde deiner Tochter ein Attest schreiben. In ihrem derzeitigen Zustand kann sie auf keinen Fall in die Schule gehen.“ „Ja aber...“ „Es gibt speziell geschulte Pädagogen, die Anna in diesem Fall auch zu Hause unterrichten würden. Wenn du möchtest, stelle ich einen Antrag beim Schulamt.“ Zumindest in dieser Hinsicht wusste er nun, wie es weitergehen würde.

Was die Ehe der Kolbes betraf, war das Problem mit Anna lediglich eine weitere Baustelle in ihrer kaputten Beziehung. Immer wieder hatte ihm Franziska Vorwürfe gemacht, obwohl sie sich selber nicht an die Verabredung mit ihm gehalten hatte. Hätte sie Anna wie besprochen vom Pferdehof in Fümmelse abgeholt, wäre sie gar nicht erst entführt worden. Auch wenn er Franziska dies nicht zum Vorwurf machte und die Schuld für das Desaster zum Teil auf sich nahm, verachtete er Franziska für ihre fehlende Schuldeinsicht und dies ließ sie spüren.

Michael konnte es nicht ertragen, sein Kind tagtäglich in sich gefangen, es leiden und ohne jede Mimik zu sehen. Um selber nicht daran zu zerbrechen, legte er den Fokus seines Handelns in den folgenden Wochen immer stärker auf den unbedingten Willen, den Schuldigen zu finden und ihn für all das büßen zu lassen. Seine Anwesenheit in der Firma beschränkte sich nur noch auf das Notwendigste und die Zeit, die er daheim verbrachte, wurde von Tag zu Tag weniger. Während er wie besessen nach dem Täter suchte und Franziska sich mehr und mehr in den Alkohol flüchtete, kümmerte sich eine von Vanessa Herzog beauftragte Studentin der Psychologie um Anna.

Seit Stunden saß Michael Kolbe nun schon in seinem Wagen und beobachtete Rudi Totsche. Sein ehemaliger Werkstattmeister war vor etwa einem Jahr von ihm gekündigt worden. Nachdem er mehrfach grobe Fehler begangen hatte, musste der Unternehmer Konsequenzen ziehen. Kolbe hatte ihn zuvor mehrfach wegen seines Alkoholproblems abgemahnt und letztlich vor die Wahl gestellt. Entzug in einer Klinik oder die Entlassung. Als er die Kur nicht antrat, blieb Michael Kolbe keine andere Wahl, als den Mann zu kündigen.

Totsche stand genauso auf seiner Liste wie sein ehemaliger Geschäftspartner, Justus Marschall, von dem sich Kolbe wegen dessen illegalen Autoschiebereien trennte. Nachdem sich Marschall auch noch an der Börse mit dem Geld aus der Firma verspekuliert hatte, war die Trennung von ihm die einzige Möglichkeit, die Firma zu retten. Das hatte dieser natürlich ganz anders gesehen und fühlte sich von Kolbe über den Tisch gezogen. Als er auch noch die Gerichtsverhandlung verlor, schwor er Kolbe bittere Rache.

Ebenso wie Ralf Rosskopf, der die Firma mehrfach bestohlen und die Ersatzteile im Internet verkauft hatte, um seine Schulden am Pokertisch bezahlen zu können. Obwohl er ihn nicht wegen der Diebstähle anzeigte, empfand der Mechaniker seine Kündigung als nicht gerechtfertigt. Bei einem Streit im Büro des Betriebsrats eskalierte die Situation und Rosskopf ohrfeigte den Mann, der sich für ihn einsetzen wollte.

Im Grunde hatte Michael Kolbe keinem dieser Leute Unrecht getan und doch war es möglicherweise einer von ihnen, der seine Tochter entführt hatte. Wochenlang hatte er diese drei und zwei weitere Personen beobachtet. Letztlich war er sich sicher, dass nur Ralf Rosskopf der Täter sein konnte. Er war der einzige, der nach der Entführung über seine Verhältnisse lebte. Zwei Monate, nachdem Anna entführt worden war, lauerte er dem Mechaniker immer noch auf.

„Na Rosskopf, Glück gehabt?“, sprach er ihn aus dem Halbdunkel eines Hauseingangs an. „Oder haben Sie wieder mein Geld verspielt?“ „Herr Kolbe?“, fragte der Zocker verwundert, ohne auf die Frage seines ehemaligen Chefs einzugehen. „So ist es“, bestätigte der verbitterte Mann voller Zorn. Er zog seine Waffe und hielt sie dem Mechaniker mit ausgestrecktem Arm vor den Kopf. „Und jetzt wirst du genau das tun, was ich dir sage, weil ich dir nämlich sonst die Rübe runterpuste.“

„Was soll das? Drehen Sie jetzt vollkommen durch?“, versuchte Rosskopf gelassen zu bleiben. „Genauso ist es, ich bin verrückt, völlig plemplem und deswegen habe ich auch nicht die geringsten Skrupel, dir hier und jetzt das Licht auszublasen.“ „Beruhigen Sie sich, Herr Kolbe. Ich mache ja, was Sie von mir verlangen“, erkannte Rosskopf den ernst in Kolbes Worten. „Du wirst jetzt für das bezahlen, was du meinem Kind angetan hast“, erklärte Kolbe mit fester Stimme. „Auge um Auge.“ „Ich verstehe nicht, was Sie meinen“, spielte er den Unschuldigen.

„Los jetzt, genug gequatscht“, stupste ihn Kolbe an. „Da vorn steht mein Wagen.“ Als sie die Limousine erreicht hatten, schickte sich Rosskopf an, die Beifahrertür zu öffnen. „Habe ich etwas davon gesagt, dass Sie hier einsteigen sollen?“ „Aber ich dachte...“, verstand der vermeintliche Entführer nun gar nichts mehr. „Zum Kofferraum“, schubste ihn Kolbe weiter vor sich her. Dann öffnete er den Deckel und forderte ihn dazu auf einzusteigen.

„Sie sind ja völlig verrückt“, schrie ihn Rosskopf an. „Das mache ich nicht!“ Im selben Augenblick verspürte er einen heftigen Schmerz an seinem Hinterkopf. Seine Lichter gingen aus und er klappte in sich zusammen. Durch seine Ohnmacht kippte der Mechaniker von allein in den Kofferraum. Kolbe drückte ihn gegen die Rücksitzbank und hob die Beine hinein. Dann schloss er den Deckel und fuhr los.

Ralf Rosskopf wurde ziemlich durchgeschüttelt, als Kolbe seinen Wagen über die Schrottplatzzufahrt lenkte. Die tiefen Schlaglöcher in der brüchigen Asphaltdecke ließen die Limousine des Unternehmers wie einen Flummi auf und ab hüpfen. Der vermeintliche Kidnapper war längst wieder bei Bewusstsein, als der Wagen gestoppt wurde. Er dachte darüber nach, wie er den Moment nutzen konnte, wenn sein ehemaliger Chef den Kofferraum öffnen würde.

Sein Plan, ihm die Lampe aus der Hand zu schlagen, um ihn im Schutz der Dunkelheit attackieren zu können, erledigte sich schon durch die Tatsache, dass Kolbe viel zu weit von ihm entfernt stand. Da ihn das Licht der Lampe somit blendete, konnte Ralf Rosskopf nicht sehen, ob sein Widersacher die Schusswaffe auf ihn richtete. Die Abwägung des Für und Wider, sowie die Einschätzung der Gesamtsituation mussten in dem Bruchteil einer einzigen Sekunde stattfinden. Wobei eine vernünftige Risikobewertung in der Kürze der Zeit gar nicht möglich war. Der vermeintliche Entführer entschloss sich folglich auf einen günstigeren Moment zu warten und folgte Kolbes Anweisung, den Kofferraum zu verlassen.

„Was haben Sie mit mir vor?“, erkundigte sich Rosskopf. „Du weißt, wo wir hier sind?“, antwortete Kolbe mit einer Gegenfrage. Der Angesprochene sah sich, soweit dies in der Dunkelheit möglich war, auf dem Gelände um. „Keine Ahnung, sieht wie ein Schrottplatz aus“, blieb Rosskopf cool. „Na also, war doch gar nicht so schwer, oder?“ „Und, was soll das?“ „Ich werde dich für die nächsten Tage genauso unterbringen wie du meine Tochter“, drohte Annas Vater. „Auge um Auge.“ „Ich weiß überhaupt nicht, von was Sie eigentlich sprechen“, blieb Rosskopf bei seiner angeblichen Ahnungslosigkeit.

Der Eingang zur Halle stand noch immer auf, so, wie sie Kolbe nach der Befreiung seiner Tochter zurückgelassen hatte. „Mach die Tür auf“, befahl er Rosskopf, während er ihn mit der Waffe in der Hand weiter vor sich hertrieb. „Ich verstehe immer noch nicht, was Sie von mir wollen“, behauptete der Mechaniker beharrlich. „Treib dein Geschwätz nicht auf die Spitze!“, warnte ihn Kolbe.

Als Michael Kolbe die Truhe sah, ergriff ihn noch größere Wut. Alles war noch genauso, wie er es Wochen zuvor zurückgelassen hatte. „Du mieses Schwein!“, schrie er Rosskopf an. „Wagst du es immer noch, so zu tun, als würdest du all dies nicht kennen?“ Sein ehemaliger Mitarbeiter war sich nicht sicher, wie er auf Kolbes Frage reagieren sollte. Er war sich klar, die Wut des Mannes nicht besänftigen zu können. Egal, was er ihm antworten würde, die Sache drohte böse für ihn auszugehen.

Als Michael Kolbe für einen Moment lang in die Truhe leuchtete, sah Rosskopf die Gelegenheit zur Gegenwehr gekommen. Er rammte seinem ehemaligen Chef die Faust gegen die Brust und schubste ihn gegen die Truhe. Der Unternehmer kam ins Straucheln. Er hatte große Mühe, sich abzufangen. Da er in der einen Hand die Taschenlampe und in der anderen die Schusswaffe hielt, konnte er sich nirgends festhalten.

Rosskopf nutzte diesen Augenblick und stürmte auf die Tür zur Halle zu. Als er den Raum verlassen wollte, krachte ein Schuss. Der vermeintliche Entführer spürte den Windzug des Geschosses, welches um Haaresbreite an seinem Kopf vorbeisauste und in die Tür einschlug. Er blieb wie angewurzelt stehen, drehte sich langsam zurück und harrte dem, was nun auf ihn zukommen würde.

„Noch so ein Ding und ich ziele um ein paar Zentimeter genauer“, drohte Michael Kolbe. „Bitte, lassen Sie mich gehen“, versuchte es Rosskopf nun mit der Mitleidstour. „Ich weiß nicht, was Ihrer Tochter widerfuhr, aber ich habe nicht das Geringste mit der Sache zu tun.“ „Spar dir die Puste, ich weiß, dass du es warst, der meiner Tochter dies hier angetan hat“, war Kolbe plötzlich ganz ruhig. „Genau so wird es dir nun auch ergehen.“

Mit einer Ruhe, die beängstigend war, bedeutete Kolbe, dem verhassten Erpresser in die Truhe zu steigen. Er schloss den Deckel und packte diesen voller schwerer Schrottteile, die er aus den Schwerlastregalen nahm. Dann ging er zurück an seinen Wagen und entnahm diesen einen Spanngurt, den er zur Sicherheit über die Truhe legte und so den Deckel zusätzlich verzurrte. Dann ließ er Rosskopf wortlos zurück.

ENDE DER LESEPROBE

 

 

Sobald das fertige Manuskript lektoriert wurde, geht es als eBook Leseprobe in den Downloadbereich.

Kurz darauf ist es dann auch als Taschenbuch zu erwerben.

 

An dieser Stelle finden Sie nun wieder drei Fragen zum aktuellen Werkstattroman.

 

1. von wo wird Leos Auto abgeschleppt?

2. wie hoch ist die Lösegeldsumme?

3. wo findet die Lösegeldübergabe statt?

 

Hier noch einmal die Spielregeln.

Mit jeder Buchvorstellung, also noch bevor das Buch in den Druck bzw. in den Downloadbereich wechselt, stelle ich an dieser Stelle drei Fragen aus dem Werkstattbuch, die Sie in einer Mail an mich richtig beantworten sollten. Der Einsender jeder zehnten richtigen Mail erhält ein handsigniertes Taschenbuch aus meiner Kollektion. Aber auch die übrigen Mitspieler gehen nicht leer aus. Sofern sie mir die richtigen Lösungen zugemailt haben erhalten sie jeweiles ein E Book zugesandt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Solange das Buch in der Werkstatt steht, können Sie sich am Gewinnspiel beteiligen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich mich sehr über die rege Teilnahme und die vielen Mails freue, die bei mir eingegangen sind.

 

Haben Sie die vorangegangenen Kapitel aufmerksam gelesen? Dann könen Sie die Fragen sicher beantworten. Wenn Sie glauben, alle drei Fragen richtig beantworten zu können, mailen Sie die richtigen Antworten an: uwe_brackmann@online.de

Bis dahin: Ihr Uwe Brackmann

 

Der 34. Roman aus der

Detektei Lessing

"tödliche Abrechnung "

 

ist ab Anfang April 19 im Wolfenbütteler Buchhandel und auf Bestellung unter "Kontakt",

dann auch gern als Geschenk mit Signatur zu bestellen. Im Downloadbereich, kann er demnächst als 7 Kapitel umfassende Leseprobe heruntergeladen werden kann. Das komplette E-Book ist dann für 2,99 € in einer Mail an "Autor-Brackmann@htp.com" zu bestellen.

 

Die ersten 33 Fälle aus der Detektei Lessing sind ebenso im Downloadbereich für je 2,99€ als E-Book zu bestellen.

 

 

Wolfenbütteler 'Buchhandlung Behr' Kornmarkt

Wolfenbütteler 'Buchhandlung Steuber' Am alten Tore

Braunschweiger 'Buchhandlung Pfankuch' Burgpassage

Braunschweiger Buchhandlung Graff 'Sack 15'

Melveroder Buch und Schreibwarenhandel 'Nitsche' im Einkaufszentrum

Königslutter in der 'Buchhandlung Kolbe' am Marktplatz

in Cremlingen bei 'Horch' im Morbusch 23 - Nähe Aldi

In der 'Schatzkiste' in Sickte Bahnhofstr. 19A

im Hornburger Toto Lotto Laden 'Cafè Clemens'

im 'Café T Asse' Mönchevahlberg Schulstr. 5

zu erhalten

 

Mein Dank gilt in besonderer Weise, Frau Viola Dowhanycz und Herrn Jürgen Nieber, die meine Manuskripte aus reinem Idealismus lektorieren. Mit im Team sind die Maler Robert Tschöp, Helena Ahrens, Charlotte Matzeit und Rüdiger Franz die mit ihren Bildern maßgeblich die Einbände zur Detektei Lessing mitgestalten. Überdies mit dabei, der Bremer Fotograf Andreas Eberl, der dem letzten Mike Winter Krimi mit seinem Foto ein Supereinband gab. Den Link zu seiner Argentur findet ihr übrigens auf dieser Website.